„Kunst kann dabei helfen, nicht zu verzweifeln“ Daniela Mitterlehner, Schauspielerin _ Leipzig 15.3.2021

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das hängt stark davon ab, was ich an dem Tag konkret vorhabe, ob zum Beispiel ein E-Casting, ein Dreh, ein längeres berufliches Zoom-Meeting oder etwas Ähnliches ansteht oder nicht.

An freien Tagen stehe ich aktuell eher früh auf, frühstücke und verbringe dann erstmal einige Zeit auf den sozialen Medien, weil das für mich beruflich als Schauspielerin immer wichtiger wird. Tatsächlich kommen nämlich ab und zu mal Anfragen und Rollenangebote über die sozialen Medien herein, einerseits, weil in Facebook-Gruppen Schauspiel- oder Sprecherjobs ausgeschrieben werden, für die ich mich bewerbe, andererseits kamen aber auch schon Rollenangebote, nachdem jemand meine Aktivitäten auf den sozialen Medien einige Zeit verfolgt und sich dann auch mein Demo-Material angesehen hatte, das man auf allen gängigen Schauspielerplattformen findet. Außerdem netzwerke ich viel auf den sozialen Medien und daraus sind schon viele sehr spannende Kontakte und auch schon Zusammenarbeiten entstanden. Und – so absurd das klingen mag – bei manchen Ausschreibungen für Schauspieler/innen wird man tatsächlich auch gebeten, bei der Bewerbung anzugeben, wie viele Follower man auf welchem sozialen Medium hat. Häufig mache ich dann ein Bisschen Yoga und dann kümmere ich mich um das, was am jeweiligen Tag ansteht, z. B. E-Castings, Beschäftigung mit Rollen, die ich (wenn Corona und die dazugehörigen Regeln nicht dazwischenfunken) demnächst spielen werde, Text lernen, ein Drehbuch oder Theater- oder Hörspielskript lesen, Arbeit an neuen Projekten (ich bin ja neben meiner Haupttätigkeit als Schauspielerin auch als Jongleurin, Sprecherin und Regisseurin tätig), Arbeit an neuen Jonglage-Nummern, Jonglage-Videogrußbotschaften (die kann man personalisiert buchen), Sprecher-Aufnahmen, neue Ideen entwickeln …, aber auch administrative Tätigkeiten wie z. B. das Planen von (hoffentlich möglichen) Reisen für Projekte – im März arbeite ich eine Woche als Regisseurin in Österreich, in der Osterzeit sind Dreharbeiten in der Nähe von München geplant – und viel E-Mail-Verkehr zur Vorbereitung auf kommende Projekte. Häufig mache ich am späten Nachmittag dann einen Spaziergang und/oder jongliere, um mich auch darin weiter zu entwickeln. Außerdem versuche ich, mich auch in dieser Zeit weiterzubilden und besuche Webinare (z. B. um Schauspielmethoden kennen zu lernen, die mir noch nicht so vertraut sind oder – ein sehr aktuelles Thema – zu E-Castings) und arbeite ganz einfach an meinen Fähigkeiten.

Natürlich gibt es auch Tage, die anders sind, weil z. B. ein Dreh angesetzt ist oder doch mal ein persönliches Treffen mit jemandem, mit dem ich zusammenarbeite oder ein aktuelles Projekt gerade so sehr meine Aufmerksamkeit und Zeit braucht, dass ich mich den ganzen Tag vorwiegend damit beschäftige.

Außerdem verbringe ich jeden Tag Zeit auf den diversen Schauspieler-Jobplattformen, um nach passenden Ausschreibungen zu suchen und mich auch aktiv zu bewerben.

Und wenn ich abends Zeit habe, dann genieße ich einen guten Film oder eine Serie auf einem Streamingportal, lese oder telefoniere mit Freunden oder lieben Verwandten. 😊

Daniela Mitterlehner, Schauspielerin, Schriftstellerin, Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, dass es wichtig ist, in einer so schwierigen und ungewöhnlichen Zeit wie jetzt all das nicht aus den Augen zu verlieren, was uns auch jetzt Freude bereiten kann, z. B. ein Telefonat mit einem lieben Menschen, ein guter Film oder ein gutes Buch, das Zwitschern der Vögel bei einem Spaziergang, ein gutes Essen, irgendein Grund zu lachen, Musik, schöne Erinnerungen und die Gewissheit, dass das alles zwar lang, aber nicht ewig dauern kann. Das sind alles Dinge, die man auch mit allen aktuellen Einschränkungen genießen kann, die gut tun, die das Leben schön machen und für die man dankbar sein sollte. (Dankbarkeit trägt tatsächlich dazu bei, glücklich zu sein.) Wir sollten uns in dieser Zeit aber auch weiterhin gegenseitig unterstützen und – wenn nötig – aufmuntern, füreinander da sein (einfach mal reden oder zuhören, wenn es jemandem nicht so gut geht, das geht auch per Telefon) und auch die nicht vergessen, denen es wesentlich schlechter geht als uns (z. B. Obdachlose, Flüchtlinge in katastrophalen Flüchtlingslagern oder auch ältere Menschen im eigenen Umfeld, die einsam sind und denen man schon mit einem Anruf eine große Freude bereiten kann  …) und – wenn man die Möglichkeit dazu hat – auch aktiv helfen. (Und wenn es nur darum geht, auf Missstände aufmerksam zu machen, mal irgendwo eine Petition zu unterschreiben oder Ähnliches.)

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich denke, wesentlich ist einerseits Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen, also das Vertrauen in sich selbst, dass man auch die aktuellen Herausforderungen meistern wird, andererseits sicher auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Vieles, was vor der Pandemie selbstverständlich war, ist aktuell praktisch unmöglich und damit muss man irgendwie klarkommen. Andererseits entdecken wir durch die aktuelle Situation auch neue Möglichkeiten, wenn wir dafür offen und lernbereit sind. Leichter geht das in jedem Fall, wenn man sich gegenseitig unterstützt, mit Wissen, Tipps und auch einfach manchmal mit Optimismus, guter Laune und Rede- und Zuhörbereitschaft.

Kunst und vor allem Theater werden aktuell häufig ziemlich ausgeschlossen. Die Theater und Kinos werden – obwohl sie laut Studien die sichersten Orte sind, weil dort penibel auf alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen geachtet wird – wahrscheinlich zu den letzten Orten gehören, die wieder öffnen dürfen.  Inwieweit Theater daher überhaupt eine Rolle bei diesem Aufbruch spielen kann und darf, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass es – wie eigentlich immer – auch Aufgabe der Kunst (jetzt eben eher im digitalen Rahmen) ist, einerseits dabei zu helfen, nicht zu verzweifeln, indem die Kunst einfach schöne oder lustige oder inspirierende Momente schafft, aber auch zum Nachdenken anzuregen über das, was sich vielleicht zum Positiven verändern könnte und sollte.

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade eine neue Fassung eines Drehbuches und eines Hörspiel-Skriptes bekommen, die ich derzeit lese. Davor habe ich einen Gedichtband von Gregor Däubler gelesen.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der verlorenste aller Tage ist der, an dem du nicht gelacht hast.“
(Charlie Chaplin)

Anmerkung zum Zitat: Lachen macht schwierige Situationen leichter und es tut einfach gut, sich jeden Tag irgendeinen Grund zu suchen, einmal (gerne auch viel öfter) herzlich zu lachen. Das hilft der Stimmung enorm. 😊

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin, Schriftstellerin, Regisseurin, Moderatorin

(1) Daniela Mitterlehner | Facebook

Foto_privat.

20.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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