„Corona hat uns die Einsamkeit und die Stille gezeigt, wie auch die Werte unserer Beziehungen“ Kinga Toth, Künstlerin_Ungarn 14.3.2021

Liebe Kinga, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan bin ich überraschenderweise in Ungarn, sowas ist in den letzten 8 Jahren nicht passiert, dass ich so lange hier bin. Seit Ende Juli bin ich „zu Hause“, wegen der Corona konnte ich nicht in der Schweiz bleiben, meine Auftritte wurden abgesagt, ich landete in einer ziemlich schwierigen Situation. Ungarnzeit ist spannend, ich hatte zwei Ausstellungen, mache viele aktivistische Arbeit, habe mit KollegInnen Ungarns erste Organisation für Frauenrechte-Frauenrepräsentation in der Literatur gegründet, daneben organisiere ich und versuche „on the top of the water“ zu bleiben. Ich arbeite von frühmorgen bis spätabend: zooms, meetings, organisieren, installieren, malen, Ausstellungsarbeit, Musik kreieren – Gott sei Dank gibt es noch einige Projekte, wo ich teilnehme, inspiriert werde und kreiere – und ein bisschen Geld verdiene.

Kinga Toth, (Sound)poet-illustrator, writer, translator, performer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sicherheit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Hoffnung und Empathie.

Die Frage ist schwierig, ich bin jetzt in einem sehr unsicheren Land, das ich mal mit Absicht verlassen habe. Die Situation hier (sowohl politisch, als auch mental und existential) sehe ich katastrophal, aber! Damit habe ich nicht gerechnet, vielleicht habe ich es auch sogar vergessen, was für unglaublich tapfere und kreative Leute hier in der Kunstszene-Literaturszene (ich mag diese Szenen voneinander nicht trennen) gibt, was für „movements“ hier kreiert werden, wie bunt die ungarische Kultur ist, wie spannend die Veranstaltungen sind. Oft denke ich daran, wie schön es wäre, falls wir wirklich gleich sein könnten, falls diese movements gefördert sein könnten und Demokratie wäre „normal“, sogar langweilig. Reden sollten wir miteinander, viel mehr zuhören – und es passiert schon. Corona hat uns die Einsamkeit und die Stille gezeigt, wie auch die Werte unserer Beziehungen, unsere Freundschaften, unsere Gespräche. Die Frage ist, was wir mit dieser Lehre machen?

Was liest Du derzeit?

Dunkelschwester über Annemarie von Matt und Sakrale Kommunikation

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Mehr Luft!“ ist der Titel des Gedichts von Ungarns meist bekannten Autor, Attila József

Atmen, Natur, Stille

Vielen Dank für das Interview liebe Kinga, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Kinga Toth, (Sound)poet-illustrator, writer, translator, performer

Kinga Toth / visual- and sound poet, writer, performer, translator  

Foto_Borbala ZErgi

14.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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