„Schlussendlich ist doch die Kunst das beste Mittel, um sich zumindest für eine Weile glücklich zu fühlen“ Lea Schlenker, Schriftstellerin_ Bern 26.2.2021

Liebe Lea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, mein Tagesablauf ist leider noch undisziplinierter gestaltet als vor der Pandemie. Ich schlafe aus, esse ein langsames Frühstück, verfluche den Regen in Bern, lese Zeitung, dusche ausgiebig…nach dem Mittag setze ich mich dann gestresst an die Arbeit und denke im Hinterkopf, dass ich ja auch noch eine Bachelorarbeit schreiben muss. Ich schreibe aber auch immer mal wieder, eher sporadisch, mehrheitlich Kurzgeschichten. Allerdings muss ich zugeben, dass zum Schreiben die externen Stimuli doch wichtiger sind, als mir lieb wäre. Die fehlen jedoch derzeit. Die aktuelle Situation macht ja auch immer wie mehr Sorgen, wie es dann mit zukünftigen Publikationen aussieht. Mein erster Gedichtband erschien im Juni 2020 und die Buchpremiere dazu steht immer noch in den Startlöchern!

Lea Schlenker_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhaltevermögen und Solidarität. Starke Nerven bei Maskenverweigerern.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Möglicherweise wird nach der Pandemie den Menschen vermehrt klar, dass Kultur systemrelevant ist. Gerade während des Lockdowns ist doch für alle spürbar: was wäre das Leben ohne eine gute Idee, ein fesselndes Buch, einen bilderreichen Film oder tanzbare Musik? Uns allen fehlt etwas, seien es die Museumsbesuche, die Theater, die Opern oder die Konzerte. Schlussendlich ist doch die Kunst das beste Mittel, um sich zumindest für eine Weile glücklich zu fühlen.

Allerdings denke ich nicht, dass die Pandemie einen großen Einfluss auf die Gesellschaft beziehungsweise das Wesen der Menschen hat. Was bei mir persönlich bleibt ist der fade Beigeschmack der Proteste, der Ignoranz und auch die immer wiederkehrende Tendenz, die Wirtschaft über die Menschen zu stellen.

Was liest Du derzeit?

„Unendlicher Spass“ von David Foster Wallace. Wenn ich es nicht während des Lockdowns schaffe, dann werde ich es nie schaffen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das letzte Buch, dass ich gelesen habe war von Hilde Ziegler. Mir gefiel dort ein Abschnitt sehr gut: „Der Stacheldraht an der Schweizer Grenze hat an einer gewissen Stelle ein Loch. Und hinter diesem Loch befindet sich der Abfallhaufen von Gärtner Dahler in Riehen. Jeden Samstag werden dort faule Orangen abgeladen. Obwohl meine Mutter schimpft, fischen wir mit Stöcken die Orangen zu uns herüber, und die meisten kann man noch essen. D’Schwizer sinn verschläckt, die ässe no lang nit alles, sagt Rudi. Das isch unser Glück.“

Vielen Dank für das Interview liebe Lea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lea Schlenker, Schriftstellerin

Lea Schlenker

Foto_Michael Bolzli

1.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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