„Aufstieg durch Arbeit, gerechte Verteilung, Wohlstand für alle – das müsste eigentlich nur mehr zynisch wirken“ Romina Pleschko, Schriftstellerin_Wien 20.2.2021

Liebe Romina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Verloren. Ich hangle mich von Woche zu Woche und bin immer misstrauischer, was die Zukunft angeht. In der Früh versorge ich die Kinder mit Homeschoolingaufgaben, dann sperre ich mich ins Schlafzimmer ein und schreibe auf dem Bett, als “Schreibtisch” nutze ich ein Frühstückstablett. Wenn die Kinder etwas brauchen, müssen sie sich an meinen Mann wenden, der sich auch seit Monaten im Homeoffice befindet. Wir mögen uns gottseidank noch, aber es ist streckenweise wirklich ein freudloses Leben momentan, das Korsett der Arbeit ist übriggeblieben, der Rest verpufft.

Romina Pleschko_Schriftstellerin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich nicht davonreißen zu lassen von den eigenen Gefühlen. Zumindest mir gelingt das nicht immer, die Nerven werden eindeutig dünner.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Frage ist, ob diese Pandemie wirklich einen Umbruch einläutet, ob verstanden wird, dass die Freuden des Kapitalismus nur ein gut gepflegter Mythos sind. Aufstieg durch Arbeit, gerechte Verteilung, Wohlstand für alle- das müsste eigentlich nur mehr zynisch wirken, aber es gibt leider so viele Menschen, die noch darauf hoffen, irgendwann teilhaben zu können am elitären Lebensstil der wenigen Profiteure.

Die Kunst kann diese Mythen entzaubern, aber das ist nur eine Facette ihrer unendlichen Möglichkeiten. Sie kann die Menschen durch Umbruchszeiten begleiten, die Seelen aufrauen, damit die Oberflächen poröser werden für die unvermeidlichen Veränderungen.

Was liest Du derzeit?

“Dicht” von Stefanie Sargnagel, das habe ich mir zu Weihnachten gewünscht. Als gebürtiges Landei lese ich mich begeistert durch eine Stadtkindjugend vom Feinsten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Passend zur Pandemie:

Bruscon zu Frau Bruscon, die die ganze Zeit gehustet hat:

“Der einzige Reiz an dir ist der Hustenreiz”

(aus Thomas Bernhards “Der Theatermacher”)

Vielen Dank für das Interview liebe Romina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Romina Pleschko, Schriftstellerin, Schauspielerin

Aktueller Roman:

Ameisenmonarchie – Kremayr & Scheriau (kremayr-scheriau.at)

Foto_Nadine Studeny

10.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s