„Wir bilden am Wohnzimmertisch ein Klassenzimmer. Während sie lernen, schreibe ich an einem neuen Buch“ Björn Kuhligk, Schriftsteller _ Berlin 11.1.2021

Lieber Björn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da meine Frau mehr verdient als ich und ich in meinem Brotjob in Kurzarbeit bin, kümmere ich mich um die dreiköpfige Pubertisten-Kombo. Wir bilden am Wohnzimmertisch ein Klassenzimmer. Während sie lernen, schreibe ich an einem neuen Buch. Naja, manchmal. Ich bin auch Erklärer, Nachhilfe-Kumpel, Motivator, Zoom-Konferenz-Erinnerer, Mittagessen-Zubereiter, schlichtweg der nervige Typ, der in ihrem Wohnzimmer sitzt.

Björn Kuhligk, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wie immer: Solidarität, Kapitalismus abschaffen, Grenzen öffnen, die Häuser denen, die drin schlafen, und hin und wieder einen selbstgemachten Smoothie.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?  

Die Literatur kann in ihren guten Momenten das Nichtsagbare zur Sprache bringen. Daher einfach weiter im Text, was sonst? In dem Bundesland Berlin, wo ich lebe, ist der derzeitige Lockdown eingeleitet worden, in dem alle Kultureinrichtungen geschlossen wurden und alle hatten sie Hygienekonzepte erarbeitet. Die Kunst findet in der Öffentlichkeit nicht statt, sie ist egal, sie ist überflüssig, etwas, das niemand braucht. Das scheint im Moment ihre Rolle zu sein. In Großraumbüros wird weiterhin gearbeitet. Aber vielleicht hilft die Pandemie, die Postmoderne endlich zu vergessen.

Was liest Du derzeit?

Da die Gegenwart gerade omnipräsent ist, lese ich vielleicht gerade deshalb wieder Klassiker. Ich habe erst Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ gelesen, dann Balzacs „Oberst Chabert“, dann Sylvia Plaths „Glasglocke“ und im Moment lese ich Irmgard Keuns „Nach Mitternacht“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Lyrikerin Barbara Köhler ist vor einigen Tagen gestorben. Ein Text von ihr aus dem Buch „Blue Box“:

„Ich übe das Alleinsein, und ich denke, ich habe es darin schon ziemlich weit gebracht. Ich rede mit der Sprache, manchmal antwortet sie. Manchmal antwortet auch jemand anders. Ich rechne nicht mehr damit, verstanden zu werden. Mathematik ist nicht mein Fach.“

Vielen Dank für das Interview lieber Björn, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Björn Kuhligk, Schriftsteller

Björn Kuhligk – Literatur und Fotografie

Foto_Achim Wagner

11.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s