„Wichtig ist es jetzt für uns Künstler*innen, solidarisch zu bleiben und Mut zu zeigen“ Grit Krüger, Schriftstellerin _ Rastatt/D _ 13.12.2020

Liebe Grit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Irrsinnig viel Zeit verbringe ich gerade in unserer Wohnung. Ich bin nicht nur Autorin, sondern arbeite an vier Tagen in der Woche als Presseredakteurin beim SWR, derzeit im Homeoffice. Diese Arbeit mag ich, bin aber aktuell abends nach einem Bürotag auch manchmal ganz schön abgekämpft.

Mittags mache ich, wenn ich es irgendwie einrichten kann, einen Spaziergang
Die Runde variiere ich kaum. 30 bis 40 Minuten: Zum Fluss, nach hinten zum
Feld und durch das Wohnviertel zurück. Auf dieser Strecke habe ich schon
etliche Texte im Kopf feingeschliffen, große und kleine Entscheidungen
getroffen und Ideen keimen lassen. Außerdem die Schwanendynastie auf dem
Murgabschnitt vor unserer Haustür besser kennengelernt.

Bis auf diese Zeit an der frischen Luft (und Zeit mit meinem Mann oder Zeit mit
Texten auf klassischem Papier) bin ich gerade ziemlich mit dem Laptop
verwachsen – ein 2020-Cyborg mit zweifelhafter Körperhaltung. Abends skype
ich mit Freundinnen oder gehe in den Untiefen des Internets verloren. Im Frühjahr habe ich Skyrim durchgespielt und bin nach hartnäckigen Versuchen an Dwarf Fortress gescheitert. An den verbleibenden Tagen lese ich, so viel ich kann. Ich schreibe in den Fugen, abends, nachts, oft statt zu schlafen.

Grit Krüger, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld, Humor, Verantwortungsbewusstsein und das Internet.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst findet ihren Weg, in Zeiten des Aufbruchs, in Zeiten der Krise aber auch in relativ friedlichen Zeiten. Literatur schafft es, die richtigen Fragen zu stellen: die, die wehtun, relevant sind, vielleicht aktuell sind, sich aber über das Tagesgeschehen erheben. Sie sorgt dafür, dass verletzliche und hoffnungsvolle Teile in uns spürbar bleiben, schenkt Weite und Würde. Das wird sie auch in Zukunft, da bin ich absolut zuversichtlich.

Wichtig ist es jetzt für uns Künstler*innen, solidarisch zu bleiben und Mut zu zeigen, wenn wir weiterhin dafür kämpfen – laut, wenn es sein muss – dass in unserer Gesellschaft
Strukturen geschaffen und erhalten werden, in denen Kunst entstehen kann.

Was liest Du derzeit?

„Monster wie wir“ von Ulrike Almut Sandig
„Gestohlene Luft“ von Yevgeniy Breyger
„The Earthsea Cycle“ von Ursula K. Le Guin

Dazu Texte, die gerade im Entstehen sind, von lieben, klugen Menschen.
Katrins klare, abgründige Prosa, Barbaras Gedichte und Stücke. Romane von
Thomas und Matthias und Martin und Fabienne. Ich freue mich sehr darüber,
bei ihrem Weg in die Welt dabei sein zu dürfen.


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Zwischendurch merken wir plötzlich, an einigen halblaut gesagten Worten,
daß wir uns mögen.“ (Wolfgang Borchert)


Vielen Dank für das Interview liebe Grit, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Vielen Dank zurück!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Grit Krüger, Schriftstellerin

Foto_privat.

11.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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