„Die Frage ist, welche Rolle Autor!nnen und Künstler!nnen einnehmen, wenn es immer schwerer wird, von ihrer Arbeit zu leben“ Nikolai Vogel, Schriftsteller _ München 26.11.2020

Lieber Nikolai, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Noch mehr daheim. Noch mehr vor dem Computer. Aber auch wieder mehr hinter Büchern. Seiten umblättern. Ein eigenartiger Sommer. Immerhin auch draußen am Fluss. Und schreibe auch wieder viel mit der Hand. Auftritte und Lesungen gehen mir ab. Während des so genannten „Lockdowns“ veröffentlichte ich meinen Roman „Angst, Saurier“ aus dem Jahr 2017, der merkwürdig passte, vierzig Tage lang in täglichen Lesungsfolgen auf YouTube. Ausstellungsbeteiligungen hatte ich zwar ein paar, aber dennoch fühlt sich das seltsam an. Du machst etwas, aber es sollen nur wenige kommen. Oder du machst etwas, aber bleibst fern.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Frage nach einer gerechten Gesellschaft. Wie auch die Frage nach einer Umwelt, die noch länger hält, also in der wir es noch länger aushalten können. Und die Frage, ob dies doch alles im „weiter so“ überrollt wird. Und im Kleinen denke ich, haben wir jetzt alle zu lernen, wie man in der neuen Distanz kommuniziert. Wie man mit den Armen lächelt.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst leben immer ja auch von dem, was schon da ist. Die Gegenwartskunst ist nur eine Facette. Die Frage ist, welche Rolle Autor!nnen und Künstler!nnen einnehmen, wenn es immer schwerer wird, von ihrer Arbeit zu leben. Mit ihrer Arbeit zu leben. Und so geht es zunehmend um das Leben-können. Und darum wie wir leben.

 

Was liest Du derzeit?

 Einige neue Bände von Kolleg!nnen. Einiges wieder und wieder. Im Hin und Her zwischen Texten, die ich noch nicht kenne und Büchern, die ich längst wieder lesen will. Da wäre zum Beispiel „Das Leben Gebrauchsanweisung“ von Georges Perec. Und vielleicht komme ich dann mal zur „Menschlichen Komödie“. Die steht schon länger da …

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 „und Augenblicke, die uns im Gedächtnis bleiben

während wir sie erleben, wissen wir noch nichts davon

der Weg zu einem Supermarkt im Urlaub, die Musik auf einem Bootssteg

wo man ein Lied gehört hat und was danach kam“

(aus meinem Band „fragmente zu einem langgedicht“, gutleut Verlag 2019, Vers 354-357)

Vielen Dank für das Interview lieber Nikolai, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nikolai Vogel_Schriftsteller und Bildender Künstler

http://www.nikolaivogel.com/

Foto_Marian Wilhelm

25.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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