„Musik hilft Emotionen und Situationen zu verarbeiten oder aus anderen Perspektiven wahrzunehmen“ Sara Filipova, Sängerin _ Wien 12.9.2020

Liebe Sara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tagesabläufe waren schon immer sehr unterschiedlich. In diesem Jahr hätten sie konträrer nicht sein können. Anfang des Jahres war ich sehr viel unterwegs, ab Mitte März kehrte, nach einigen Wochen in denen Ungewissheit mein Denken geprägt hat, auch in meinem Kopf etwas Ruhe ein. In den Frühlingsmonaten habe ich jeden Tag ausgedehnt gefrühstückt und ausgeschlafen, das ist etwas, dass ich mir versuche beizubehalten. Mein Handy schalte ich erst am späten Vormittag oder gegen Mittag ein, um entschleunigt in den Tag zu starten. Seit Juni übe ich mich wieder in Flexibilität, relativ kurzfristig ergeben sich derzeit Konzertmöglichkeiten und spannende Projekte, langes vorausplanen gestaltet sich derzeit schwierig.

Eine Konstante begleitet mich jedoch seit Mitte Juli: von Montag bis Samstag schreibe ich jeden Tag einen Song, soweit ich es schaffe. Gemeinsam mit anderen Musikschaffenden aus der ganzen Welt nehme ich an dem „Summer Song Game 2020“ teil. Die Idee ist von Mitte Juli bis Mitte September 6 Mal die Woche ein Lied zu schreiben oder ein Stück zu komponieren, nur bis zu 5 verpasste Tage sind erlaubt. Auf einer privaten Plattform werden diese dann hochgeladen. Wir tauschen uns über unseren Prozess, unsere Gedanken und unsere Hürden aus und lassen uns von den Werken der anderen TeilnehmerInnen inspirieren.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke nicht, dass ich sagen kann, was für alle im Moment besonders wichtig ist, denn jede Person geht sehr unterschiedlich mit dieser ungewohnten und ungewissen Situation um und ist mit anderen Lebensumständen konfrontiert.

Ich kann nur sagen, was ich mir wünsche und versuche zu leben, so gut ich es schaffe:

Zu sehen, dass jeder Mensch mit Ungewissheit und herausfordernden Situationen anders umgeht und auch andere Wege als die eigenen zuzulassen; die Stimme zu erheben, wenn Menschen diskriminiert, benachteiligt oder nicht bedacht werden; zu reflektieren und zu hinterfragen; wachsam zu sein; sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und trotzdem zu erkennen, dass das eigene Wohlbefinden wichtig ist; das Leben so gut es geht zu genießen; und offen zu sein für neue Ideen und Wege.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Veränderungen sind für mich untrennbar mit dem Leben verbunden, sie kommen, manchmal auch, wenn man es nicht möchte. Die Stimmen, die sich das Gewohnte zurückwünschen sind bei Veränderungen genauso präsent, wie die Vorfreude auf Neues und Unbekanntes. Aufbruch und Neubeginn sind für mich immer ein Prozess, ein auf und ab der Gefühle. Musik hat mir schon immer geholfen, Emotionen und Situationen zu verarbeiten, sie in Klänge und Worte zu fassen oder aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Kunst in jeglicher Form ist und war, meiner Meinung nach, schon immer essentiell, sie bewegt, zeigt auf, beruhigt, verstört, verbindet, regt zum Nachdenken an und gibt gleichzeitig die Möglichkeit allem, zumindest für einige Augenblicke, zu entkommen.

Was liest Du derzeit?

The Book of Disquiet – Fernando Pessoa (Deutsch: Das Buch der Unruhe)

 

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

„ What could be put up against the noise of time? Only that music which is inside ourselves – the music of our being – which is transformed by some into real music. Which, over the decades, if it is strong and true and pure enough to drown out the noise of time, is transformed into the whisper of history.“ – Julian Barnes, The Noise of Time

„Was konnte man dem Lärm der Zeit entgegensetzen? Nur die Musik, die wir in uns tragen. Die Musik unseres Seins, die von einigen in wirkliche Musik verwandelt wird. Und die sich, wenn sie stark und wahr und rein genug ist, um den Lärm der Zeit zu übertönen, im Laufe der Jahrhunderte in das Flüstern der Geschichte verwandelt.“ – Julian Barnes, Lärm der Zeit

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Vielen Dank für das Interview liebe Sara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sara Filipova_Sängerin, Pianistin

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Station bei Bachmann _ 31.8.2020

27.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

Ein Gedanke zu „„Musik hilft Emotionen und Situationen zu verarbeiten oder aus anderen Perspektiven wahrzunehmen“ Sara Filipova, Sängerin _ Wien 12.9.2020

  1. Pingback: 5 Questions for Artists on the present – Sara Filipova

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