„Kunst hat eine sehr große Funktion im Sinne von Verbindungen, weil es eine universale Sprache ist“ Iza Mortag Freund_Performerin _ Kopenhagen_ 3.8.2020

Liebe Iza, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Leben ist immer in Veränderung und Ich weiß niemals was kommt. So kenne ich mein Leben, immer als Prozess der Gegenwart in Bewegung, den Ur-Sprung zu wiederholen. Jeder Tag ist das Ritual meines eigenen Lebens, der Anfang neues zu erfinden.

 

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Ich bin mit dem Unbekannten sehr vertraut –  der Frage und dem Ausblick was möglich wäre.

Ich glaube deshalb fangen meine Tage ohne Gedanken an. Ich bleibe in meinem Unbewussten, so lange wie möglich. Das Ich bleibt beim Anfang, sozusagen. Wie es wäre mein erster Tag auf der Erde und Ich muss alles neu anschauen und damit anfangen.

 

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Meine Bewegungen sind sanft und ich bin ganz still. Ohne Worte, ohne Entscheidungen, ohne Erwartungen.

 

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Dann tanze Ich. Lange. Allein im Raum, Augen zu oder mit meinem ganzen Geist, alles drin rauszufahren, die  Intuition meines Körpers, als ob jede Bewegung Musik wäre und ich der Zuhörer bei diesem ersten Auftritt. Dann kommt der unbekannte Ausdruck und einer sehr großen Kraft und durch diese versuche Ich meinen Körper anzustrengen so viel wie möglich. Am Ende bin Ich in der totalen Intuition meines Körpers. Es führt mich.

 

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Nach den Bewegungen kommt meine Stimme. Zuerst nur als Klang. Ich singe laut, mit meinen ganzen Funktionen meine Stimme und es geht um Ausdruck und nur am Ende wird es Gesang. Dann kommt die Musik. Meine Stimme zeigt es mir. Wie ein Fundament für die gemeinsame Komposition gebaut wird.

 

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Wenn es warm ist, gehe Ich in die Sonne und male. Ohne Gedanken, jeder fast 50 Bildern von Träumen oder was in meinem Unbewussten liegt und kommt, wenn ich meine Hände allein reden lassen.

 

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Wann nicht, oder wann ich einen anderen Raum brauche für meine Konzentration oder Inspiration, finde Ich den Ausdruck,  den ich brauche um meine Fantasie zu fordern. Ich kann eigentlich fast alles in meinem Studio-Zimmer machen. Aber wann ich schreien oder sehr expressiv Musik machen will, gehe Ich in einen Bunker,  den ich teile mit anderen Musikern, unter der Erde und experimentiere. Aber im  Zimmer zeichne Ich, mache Collagen, male oder fange an mit Texten, einem Instrument, einer Partitur, einem Gesicht oder ich macht einen Aufbau von Sachen, ein Ritual, über was, weiß ich nur am Ende. Die Ideen kommen, wenn ich es ziehen lasse.

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Ich brauche dies alles gemeinsam, alle diese Funktionen, als Künstler und Mensch. Ich brauche das, um mich selbst zu verstehen und ausdrücken.

 

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Oft habe ich auch in dieser Zeit wo alles in größerer Veränderung ist, trotzdem, Theater, Performance oder Musik Projekte mit anderen gemacht, und jetzt in anderen Wegen weil wir müssen neue Formen finden für unsere Arbeit.  Aber jeden Tag benutze ich fünf oder mehr Stunden ganz allein für meinen eignen Prozess, um auch mit anderen zu arbeiten.

 

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Wenn ich meine eigene Projekte mache, arbeite ich die ganze zeit über, weil es geht um meinen eignen Rhythmus, es fühlt sich. Natürlich lasse ich mir Zeit für Liebe und für Pausen. Aber weil alles ein Teil meines Lebens ist, gibt`s immer eine Verbindung, ein Prozess. In dieser besonderen Zeit war es klar, dass Ich braucht meine Kreativität, meinen ganzen Geist als Mensch, um  in meinen Leben zu sein und dass dies das  Eigentliche ist was mein Leben beständig macht

So kann ich mit der konstanten Veränderung und dem Unbekannten sein.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Seele. Einander. Ich denke für jeden Menschen ist es sehr wichtig manchmal ganz allein zu sein, dass es Platz gibt und genug Ruhe sich selbst zu verstehen. Um das Neue zu begreifen, die  Gegenwart, dass was passiert und passiert ist und alles zu verbinden. Und Ich glaube, dass wenn man sich selbst besser versteht und akzeptiert als Mensch in dieser Welt können man auch besser andere verstehen. Wir haben jetzt eine besondere Zeit, in der es möglich ist ganz viele Verhältnisse zu verändern. Das hat man vielleicht immer, aber in dieser kollektiven Veränderung passiert mehr als uns bewusst wird. Ich sehe Veränderung als Wahl und wie ändern wir die Zeit, ihre „Benutzung“, oder wie die Zeit über das Leben spricht, darüber sollten wir reden. Und das ist vielleicht die einzige der großen Veränderung  und danach gibt es Möglichkeiten etwas in der Tiefe zu verändern, wenn man sich Zeit lässt und den Mut dazu hat, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen in die Tat umzusetzen. Die Selbstsicht und jene der Welt. Und dann gibt es die Möglichkeit dies in Handlung durchzuführen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Ich denke wir als Menschen spielen die größte Rolle,  weil wir auch der Anfang der Probleme sind. Unser Verhältnis zur Natur, zueinander und unsere Geschichten. Es geht vielleicht um die Seele. Unser Verhältnis zum  Leben. Und Ich denke, dass in dieser Zeit auch etwas unterbrochen werden muss, neu anfangen aber mit Erinnerung auf das was war. Aber mit Vertrauen. Wir brauchen Empathie, und dass wir miteinander über die großen Themen dieser Welt reden können. Dass wir erinnern können, dass wir alle Menschen sind und wir alle müssen über diese Erde und was wichtig ist  in unserem Leben ,klarkommen. Wir müssen zusammenarbeiten. Sei mutig genug dich auf die Realität zu beziehen und zu handeln. Wir müssen auch verantwortlich für unsere Geschichten sein und über dies reden, dass wir von diesen und anderen Perspektiven lernen können,  für unsere Entwicklung und Zukunft.

Ich denke, Kunst hat eine sehr große Funktion im Sinne von Verbindungen, weil es eine universale Sprache ist, womit wir alle miteinander reden können. Das Alte oder Geteilte in neuen Formen und Bedeutungen. Weil in der Kunst, geht es um die Seele, und was nicht nur mit dem  Hirn verstehbar ist. Es geht um die Geschichte unseres Anfanges, unserer Welt, uns selbst, Relationen, gemeinsame Probleme und Wunder der Existenz. Es verbindet alles und kann alles sein, es ist ewig und trotzdem immer anderes. Es geht um Bedeutung. Um die Fantasie. Um alles was man nicht erklären kann aber fühlt. 

 

Was liest Du derzeit?

In dieser Zeit lese ich, wie immer, sehr viel Poesie und Mythologie der ganzen Welt. Aber jetzt versuche ich auch besonderes die Geschichten zu bekommen von Mund zu Mund. Deshalb gehe ich zu fremden Menschen und höre was sie mir  erzählen wollen über ihr Leben, Kultur oder Geschichten.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Atmen (meine liblings wort auf Deutchs)

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Iza, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Performance- Musik- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Iza Mortag Freund: Performerin, Musikerin, Künstlerin

https://literaturoutdoors.com/2019/10/31/kunst-darf-keine-angst-haben-iza-mortag-freund-artist-station-bei-david-bowie_berlin-26-10-2019-performanceinterview/

 

Alle Fotos: Berlin_Station bei David Bowie_Walter Pobaschnig 2019

14.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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