„Wir hätten die Chance, die Probleme anzugehen“ Michaela Kaspar, Schauspielerin_TAG Theater Wien_24.6.2020

Liebe Michaela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich werde recht liebevoll und nicht gar zu früh geweckt von meinen beiden Kindern. Fertig machen, gemeinsames Frühstück, Haushalt, Einkauf, Kochen, meine Tochter in den Mittagschlaf begleiten, Jause, Park gehen oder einen Ausflug machen, Abendessen. Dazwischen und immerzu wird gespielt und getanzt was das Zeug hält. Reihenfolge ohne Gewähr.

Eingeflochten in den Tag werden berufliche virtuelle Meetings und Proben oder wie unlängst Aufnahmen zu einem Hörspiel, das wir mit dem TAG- Theater in der Gumpendorfer Straße über Zoom aufgenommen haben.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 Ein großer Garten.

Bei sich bleiben- sich nicht aufreiben (lassen), Informationsquellen überprüfen.

Wie in anderen Zeiten auch- konstruktiver und wertschätzender Umgang miteinander.

Sich in starken Netzwerken organisieren für die versprochene rasche finanzielle Hilfe für betroffene Berufsgruppen.

Die solidarische Weltgesellschaft ist eine Utopie, die radikale Transformation der Wirtschaft unwahrscheinlich. Trotzdem hätten wir die Chance, die Probleme, die diese Krise wie die vielzitierte „Lupe“ für uns sichtbarer macht, anzugehen. Allerdings schwindet mein anfänglicher Glaube daran, dass die Situation in der wir uns gerade alle befinden, ein Momentum für Neues sein könnte.

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(Szenenfoto_Medea_TAG Theater Wien_2019)

 

 Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst an sich zu?

Ha! Die Rolle der Kunst- diese Frage lässt sich nicht in einem kurzen Statement klären. Kunst an sich ist für mich immer ein Ausdruck menschlichen Daseins. Sie spiegelt wider, was die Gesellschaft bewegt, bietet Reibungsfläche. Insofern könnte sie weiterhin tun, was sie auch zu anderen Zeiten tut.

Uns spiegeln, uns berühren, uns aufrütteln, uns verstören und verängstigen, uns erregen, unsere Werte in Frage stellen, in uns Zweifel aufwerfen, uns sensibilisieren, unsere Fantasie beflügeln, uns träumen machen, Visionen und Perspektiven aufzeigen, uns nachdenklich machen, uns fühlen lassen, uns mitreißen, unsere Leidenschaften und Sehnsüchte erwecken, uns Schönheit erfahren lassen, das Hässliche sichtbar machen und so vieles mehr. Und zu guter Letzt darf Kunst auch einfach unterhalten, uns zerstreuen und uns zum Lachen bringen.

Das alles setzt einen aufgeschlossenen, interessierten und neugierigen Rezipienten voraus- vielleicht ist das auch das, was schon immer wesentlich war für uns alle in dieser Welt und dem jetzt eine noch größere Bedeutung zukommt.

 

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(Szenenfoto_Medea_TAG Theater Wien_2019)

 

Was liest Du derzeit?

Das Malspiel und das Leben, Arno Stern

Die Welt von Gestern, Stefan Zweig

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Und noch kann uns der Himmel auf den Kopf fallen. Und das Theater ist dazu da, uns zunächst einmal dies beizubringen.“ Antonin Artaud

 

Vielen Dank für das Interview liebe Michaela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Michaela Kaspar, Schauspielerin

http://www.dastag.at/ueberuns/ensemble/kaspar.html

 

Szenenfotos_Michaela Kaspar_Julian Loidl_Medea_TAG Theater Wien_ 26.11.2019 _ alle Fotos_Walter Pobaschnig.

26.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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