„Ousia“, Gedichte_Verena Stauffer. Kookbooks.

 

Was Poesie an Zärtlichkeit, Kraft und Reflexion zu schenken und zu öffnen vermag, zeigt dieser Gedichtband in Stille, Feuer und Geheimnis. Verena Stauffer ist ohne Zweifel eine der interessantesten und  innovativsten PoetInnen der Zeit. Ihre Sprache ist Dynamit in allem. Sie verbindet einzigartige Sprachvirtuosität, Intellektualität und ästhetisches Experiment und nimmt große Traditionen der Poesie in eigenständiger Weiterentwicklung und Kontur auf. Es geht in jedem Wort um Mensch und Sinn wie neue literarische Formsuche.

 

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Wie Rimbaud lenkt die Autorin den Blick auf das Spiegelbild des modernen Menschen und gibt diesen als Papierschnitt vor dem flackernden Laternenlicht seiner Triebe und Antriebe frei. Ein gnadenloser Blick auf das Alltägliche, die Routinen und Verkleidungen der Welt, die Täuschungen und Projektionen der „abgeschnittenen Köpfe“.   Verena Stauffer zerfetzt dieses dünne Papier moderner Identität und blickt dahinter auf die „ousia“, das Wesen von Existenz und Sein. Nicht die „gnosis“, die Erkenntnis, ist dabei der Weg sondern das Hinaustreten über erstarrte Formen und Schatten von Existenz hin zum Licht, zum Feuer. Das Wort reißt Verständniswege an sich und schöpft diese aus Geheimnis und Kraft der Erde. Dem Saft der Welt. Davon gilt es zu trinken, um zu leben, um zu überleben und weit darüber hinaus zu greifen – zur Liebe.

 

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„Das Ich ist ein anderer“ schrieb Rimbaud und setzte Wege von Exzess und Erkenntnis hinzu. Verena Stauffer nimmt denselben Ausgangspunkt der Ich-Analyse – fragt aber danach nach der Kraft des „Leuchtens“ des Menschen. Nach dem Entzünden und der Vision, welcher der Mensch zu folgen imstande ist. Nach Heilung in Prozessen der Zerstörung.

 

 

 

Die Antwort selbst liegt in der eigenen Sprache und Ansprache von und zu Natur, Mitmensch und Liebe. Hier liegt der Exzess im Sinne des Heraustretens aus Erstarrung. Natur und Leben werden im neuen, gereinigten Sehen des Menschen erkannt und belebt – „ousia“. In Schmerz, Trost, Freude und Ekstase. Die Autorin bleibt bei diesem unmittelbaren Erkenntnis- und Erlebniszug des Menschen ohne Traditionen der Geistes- und Religionsgeschichte in eine Synthese bringen oder aufzulösen zu wollen. Es geht um Vollzüge und Fragen zu und mit dem was unmittelbar ist. Um die Geheimnisse des Lebens  in Reflexion und Transformation.  Hier schließt Verena Stauffer an die Bildgewalt eines Georg Trakl oder Christine Lavant an und setzt dabei in ganz außergewöhnlicher Aufmerksamkeit und Phantasie kraftvolle Sprachbilder, um das stille, stumme Ringen des Menschen zwischen Erde und Himmel zu umreißen.

 

 

 

Einen Kampf von Existenz und Kontexten der geistigen Sozialisation der Zeit kennt Verena Stauffer im Unterschied zu Rimbaud explizit nicht, sondern es geht um den Kontext von Welt innerhalb und außerhalb von Zeit und Raum an sich – im Prozess eines persönlichen Lebens in Kopf und Körper, hier und jetzt, in Licht und Schatten. „Une Saison en Enfer“ ist bei Verena Stauffer nicht eine begrenzte Lebensetappe sondern eine Gegensätzlichkeit, ein Schattenspiel, das lebenslänglich währt und nach Mut, Erkenntnis und Weg verlangt. Der Saft der Erde kann verschlingende Dunkelheit oder Feuer und Wärme sein. Darin gilt es zu sehen und zu bestehen. Jedoch nicht allein. „ousia“, das bedeutet auch Schutz und Hilfe. Die Natur hat, wie bei Christine Lavant, Ansprache und Injektion im täglichen Suchen, Finden, Verlieren und Hoffen. Wie die Liebe.

 

 

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„Wir werden leuchten“ – Der Mensch und die Welt sind auf Messers Schneide und Verena Stauffer setzt den furiosen sprachlichen soundtrack dazu – die Poetin als wiederentdeckte Seherin.

 

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Verena Stauffer

 

Ousia, Verena Stauffer, Kookbooks, 

http://www.verenastauffer.at/wordpresshome/

 

 

 

Walter Pobaschnig 5_20

https://literaturoutdoors.com

Fotos_Walter Pobaschnig 5_20.

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