„Wo zur Hölle ist der Rochen!“ Birgit und Nicole Radeschnig, Kabarettduo RaDeschnig, Wien 13.5.20

Liebe Birgit und Nicole Radeschnig, wie sieht jetzt Euer Tagesablauf aus?

B (Birgit) : Wir sind Homeoffice gewöhnt, daher ist der Ablauf im Großen und Ganzen gleich geblieben: Zuerst den Pyjama ausziehen für eine klare Trennung zwischen beruflich und privat, Kaffee trinken und unzählige Sätze produzieren, um schließlich eine Essenz rauszuquetschen, mit der es sich arbeiten lässt. Die kleine Abweichung: Wir werden wesentlich öfter gefragt, wie unser Tagesablauf aussieht, starren öfter auf Kurven und sind plötzlich gerührt, wenn irgendwo Applaus erklingt – wohl eine Symptomatik des kalten Entzugs.

N (Nicole) : Dazwischen versuche ich meinen 6 Monate alten Sohn als sozialen Kontakt und momentanen Arbeitgeber unbeschadet durch den Tag zu bringen.

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

B: Über diese Frage nachzudenken.

 

Birgit und Nicole Radeschnig_Stefan Grauf-Sixt

 

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Kabarett und Kunst an sich zu?

B: Da ein Teil der Kreativität momentan in die Frage fließt, wie man die nächsten Monate finanziell bewältigen kann, wäre eine Art der sozialen Absicherung wünschenswert, die die monetären Ausfälle unseres Berufes auch realistisch kompensiert.

N: Wobei sich die Rolle des humoristischen Ventils ja durchaus auch digital einnehmen lässt…

B: Schon, aber gratis Content zu produzieren macht auch wesentlich mehr Spaß, wenn man damit nicht dringend Geld verdienen muss. Außerdem fehlt mir die Dynamik der unmittelbaren Reaktion des Publikums. Gottesdienste sind ja ab Mitte Mai wieder erlaubt – da ist die Kollegschaft aus der Showbranche irgendwo richtig abgebogen.

 

Was lest Ihr derzeit?

B: Karlheinz Deschner „Der gefälschte Glaube. Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe.“

N: Schwager & Steinlein „Mein Fühlbuch – Streicheltiere.“

B: Wollen wir tauschen, sobald wir fertig sind?

N: Gern. Ich sags aber gleich, der Hase ist schon sehr abgegriffen und fühlt sich mittlerweile an, wie Beton.

B: Ich mag Beton eh lieber, als Hasen. Wenn ich dich grad hier hab: Mir ist aufgefallen, dass die Mundschutzmaske den Rosenkranz als Windschutzscheibendekor großteils abgelöst hat. Vielleicht lässt sich daraus ablesen, dass der Glaube an die Wissenschaft allmählich zunimmt…?

N: Glaub nicht.

 

Welchen Impuls möchtet Ihr uns mitgeben?

B: Als Anreiz zur gehobenen Zerstreuung empfiehlt sich die Haus des Meeres WebCam aus dem Haifischbecken. Es war Balsam für die Seele, sich nach der wirren und frustrierenden Pressekonferenz der Staatssekretärin für Kunst und Kultur einfach auf die Frage zu konzentrieren: „Wo zur Hölle ist der Rochen!“

 

Vielen Dank für das Interview liebe Birgit und Nicole Radeschnig, viel Erfolg für Eure großartigen Kabarettprogramme und Kunstprojekte und persönlich alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Birgit und Nicole Radeschnig, Kabarettduo

Weitere Informationen: 

https://www.radeschnig.net/

Für „Doppelklick“ erhielten RaDeschnig 2019 den Österreichischen Kabarettpreis für das beste Programm.

 

26.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Stefan Grauf-Sixt

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