„Vatersohn“ Monika Boldt. Roman. Neuerscheinung Rauch Verlag.

 

Sie sind zehn Jahre alt. Es wird gespart. Für die Träume. Bei Marten ist es ein Schiff. Bei seinem Schulfreund Maximilian ist es die große Kirmes und dann die Fahrten mit dem Riesenrad, die kandierten Äpfel, die Zuckerwatte, die Geisterbahnfahrten. Die Kirmes ist in drei Monaten. Jetzt aber das Schiff am Rhein. Nein, das Schlauchboot für Marten. Sein Vater fährt die Freunde zum Wasser. Das Boot kentert. Vater will zu Marten schwimmen und geht unter. Stille…

Jetzt hat Marten Bilder im Kopf. Vom Morgen, dem Wegfahren des Vaters mit Aktentasche und Herrenrad. „Als Vater stirbt, ist er nicht weg. Er ist woanders.“ Alles ist jetzt ganz nah im Kopf. Das Zählen des Vaters bis er einschläft. Achtundvierzig. Dann die Heidelbeeren. Das behutsame Anheben der zarten Zweige und das Pflücken. Wenn du zu fest zudrückst, platzt die Beere. Omne kennt die Plätze im Kiefernwald. „Ich will, ich, ich will. Ich will Vaters Stimme hören.“

Und da sind jetzt die Mutter, die den Kleiderschrank des Vaters öffnet, den er nicht mehr braucht, und Liz. Sie sind um Marten und seinen Gedanken. Seinen Wegen. Es wird hell und dunkel. Überall. Und viel zu schnell…

Monika Boldt legt mit dem Roman Vatersohn eine dichte Erzählreise zu Erinnerungen, Emotionen und Träumen im Zusammenhang einer Vater-Sohn wie Familienbeziehung vor. Die Autorin setzt und variiert Perspektiven und erzeugt so eine Reflexionsebene, die Lebensmoment, -krise und Aufbruch verbindet. Es ist ein Weg von und zu sich selbst, den der Roman freigibt und dazu einlädt mitzuerleben und mitzudenken.

 

„Ein Roman, der in seiner Konstruktion und Erzählkraft überrascht.“

 

Walter Pobaschnig 7_19

https://literaturoutdoors.com

 

 

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