„Gotteskind“, John Wray. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

 

Sie ist achtzehn Jahre alt. Und jetzt ist eine Entscheidung getroffen. Aden Grace kommt mit dem genehmigten Visum für die große Reise nach Hause. Ihre Mutter ist im Bett, alle Bilder sind umgedreht. Es ist ein kurzes Gespräch. Eigentlich nur eine Mitteilung über die Abreise. Doch diese hat eigentlich schon früher hier begonnen. In diesem Haus. Bei Vater und Mutter und der Suche der Tochter nach sich selbst. Sie war allein. Hier und dort. Kann eine Reise das ändern? Die eigene Welt neu erschaffen?

Jetzt geht Aden zu ihrem Vater. Er ist Professor an der Universität Berkley, sein Fachgebiet sind Nahoststudien. Der Vater versucht mit ihr zu sprechen und ihre Bewegründe und vor allem die Gefahren dieser Reise zu bedenken. Doch auch er selbst wählte in jungen Jahren den Weg nach Kandahar, um seinen persönlichen Fragen nachzugehen und Erkenntnis zu gewinnen. Aden erinnert ihn daran und lässt sich nicht aufhalten…

Am Flughafen trifft sie Decker. Sein Weg führt nach Pakistan wie der von Aden auch. Beide haben Bücher im Gepäck, die an der Zollkontrolle kritisch hinterfragt werden. Es sei für ihre religiösen Studien, sagen sie. Sie dürfen nach längerem Argumentieren passieren und steigen in das Flugzeug. Aden will mehr über ihre Religion und über ihr Selbstbild erfahren, deswegen ist sie jetzt im Flugzeug. Lange hatte sie mit ihrem Freund über die Möglichkeiten vor Ort dazu, in Pakistan gesprochen. Sie hatte sich vorbereitet. Doch als sie am Flughafen ankommen und die Stadt betreten, öffnet sich eine Welt, in der die Schatten des Krieges schon wie Regen auf die dunkle Erde fallen. Und der Weg wird noch weiterführen. Weiter in das Unvorstellbare, das alles fordern wird…

Der Deutschlandfunk Preisträger des Ingeborg-Bachmann Literaturwettbewerbes 2017 in Klagenfurt, John Wray, zeichnet in „Gotteskind“ den Weg einer jungen Frau nach, die sich von Familie und Herkunft löst, um ihren religiösen Fragen nachzugehen und Erkenntnis über ihren Lebensweg zu gewinnen. Dem Autor gelingt es dabei sehr anschaulich einen jungen Menschen in Wille und Ambivalenz zu beschreiben wie auch die Erfahrungen und Reflexionen darzustellen, welche sich in dieser Suche ergeben. Es ist ein moderner kritischer Entwicklungsroman, der in Thema und Anspruch mutige zeitgeschichtliche Wege geht, die in Spannung und Interesse folgen lassen.

„Ein Buch, das in spannender Erzählung wesentliche zeitkritische Fragen nach Sinn und Tragik in der Wandlung von Lebensidealen öffnet.“

„Gotteskind“, John Wray. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

Walter Pobaschnig 7_19                  

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