„Matriarchatsfiktionen – Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20.Jahrhunderts“ Ulrich Boss, Yahya Elsaghe, Florian Heiniger (Hg.). Neuerscheinung Schwabe Verlag Basel.

„Matriarchatsfiktionen – Johann Jakob Bachofen und die deutsche Literatur des 20.Jahrhunderts“  Ulrich Boss, Yahya Elsaghe, Florian Heiniger (Hg.). Neuerscheinung Schwabe Verlag Basel.

„Mutterrecht“, schon der Titel des 1861 erschienenen Hauptwerkes des Basler Altertums- und Rechtswissenschaftlers Johann Jakob Bachofen forderte umfassend heraus – Wissenschaft, Gesellschaft, Selbstverständnis. Der leidenschaftlich Musen und archäologische Stätten der Zeit bereisende Bachofen entwickelte darin eine Gesellschaftstheorie, die sich in symbolisch-metaphorischer Anlehnung und Assoziation an griechische Mythologie begrifflich zu fassen sucht. Bachofen postuliert ein vergangene Epochen bestimmendes Matriarchat, welches von patriarchaler Gesellschaftsstruktur abgelöst wurde. Dem einher ging auch ein Verlust von ganzheitlichem Lebens- und Kontingenzverständnis sowie gesellschaftlicher Empathie, die nun im Patriarchat von Macht und Gewalt ersetzt ist.

Das Erbe des in wissenschaftlichen Fachkreisen der Zeit größtenteils ignoriertem wie abgelehntem Modell der Gesellschaftstheorie erlebte und erlebt in den folgenden Kulturepochen, besonders auch im Schrecken, Erleben und Bedenken der Weltkriegskatastrophen, eine neue Renaissance der vieldimensionalen Aufmerksamkeit in Moderne und Postmoderne.

Die Schweizer Literaturwissenschaftler Ulrich Boss, Yahya Elsaghe und Florian Heiniger legen nun eine hochinteressante Schwerpunktstudie zur Bachofenrezeption bzw -inspiration in der Literatur des 20.Jahrhunderts vor, die in Beiträgen namhafter Fachwissenschaftler umfassende neue Zugänge eröffnet. Ausgewählte Werke, etwa von Gerhart Hauptmann, Arthur Schnitzler, Franz Kafka oder Elias Canetti (und weiterer), bekommen dabei ganz neue Blickwinkel und Perspektiven und weisen auf die literarische Kenntnis oder auch Auseinandersetzung mit dem Werk Bachofens hin (auch im modernen Film – Metropolis). Bachofens Thesen sind dabei Anstoß zu gesellschaftlich alternativen Denkmodellen im künstlerischen Dialog und Diskurs.

Der Baseler Schwabe Verlag, das Buch erscheint in der Reihe Schwabe interdisziplinär, legt hier innovative wissenschaftliche Analyse und Kritik auf höchstem Niveau vor, die auch narrativ sehr spannend dargelegt wird.

Walter Pobaschnig 8_18

https://literaturoutdoors.com/

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