„Sprache, die wehtut, tröstet und brilliert, Grenzen überschreitet“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin _ Zürich 20.10.2026

Ingeborg Bachmann _ Gabriela Kasperski

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

in Akrostichon-Erinnerung _ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin _ Zürich

Als Kind hatte ich Sehnsucht nach dem Meer, immer. Wo ich nie war. Dafür hatte ich einen Atem für Bücher.  Freiheit und Liebe, haben mich interessiert, vor allem aber die Frauen, Frauen und Freiheit. Ich fand sie bei Agatha (Christie), François (Sagan), Silvia (Plath), bei Patricia (Highsmith), bei Marguerite (Duras) und bei Simone (de Beauvoir), Ikonen. 

Nur eine habe ich ausgelassen. Fiel mir nicht leicht, aber….sie war ja mal mit dem Max (Frisch) liiert, und ich, aus der Schweiz, genauer gesagt, aus Zürich, mit Wurzeln im Tessin, junge Literaturstudentin und Schauspielerin, ich war mit dem Max dauernd auf Kriegsfuß, konfrontiert.

Aber dann, endlich, die gestundete Zeit, und das Ich-Gedicht. Da war ich angefixt und wollte NIEMALS mehr aufhören zu lesen,  mich an Malina gewagt. Weil mir der Name so gefiel. Nur als ich merkte, dass damit (vordergründig, beim flüchtigen Lesen) ein Mann gemeint war, erfolgte das Weglegen des Buches, und schließlich (zum Glück) das wieder Vorholen, das Verschlingen, nicht verstehen, erahnen, erfühlen. Nochmal verschlungen. Ausgelesen. Und jetzt wieder vorgeholt, die politische Dimension gelesen und die Zärtlichkeit gespürt, die Einsamkeit.  Das Einschlafen, das Zucken, das Verdunkeln, die Tränen, die zu weinen gewesen wären, und die Kreuzung, die weder bezaubert, noch sprachlos macht. Bilder, die bis heute geblieben sind, und an jeder Kreuzung auftauchen. (wie kürzlich in Chartres, in der Anfahrtsstraße, weit entfernt von der Kathedrale.)
Wahrnehmungsschärfe, die brüchige Welt, das Unausgesprochene, Sprache, die wehtut und tröstet und brilliert, Grenzen überschreitet und  einen mitunter auch einfach von A nach Z bringt… aber vor allem: Figuren, in ihrer Erschütterung, Sehnsucht, Verletzlichkeit und Schönheit.
Alle, nicht nur die Frauen.   

Meer

Atem

leicht

Ich-Gedicht

NIEMALS

Alle

Herzlichen Dank für diesen Beitrag in MALINA_Akrostichon/Erinnerung!

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Zur Person _ Gabriela Kasperski, Autorin von Kriminal-bis Kinderroman.
Gabriela Kasperski ist studierte Anglistin, war als Moderatorin im Radio- und TV-Bereich tätig und stand als Theaterschauspielerin auf vielen Bühnen. Heute lebt sie als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Zürich, London und der Bretagne und arbeitet als Dozentin für Synchronisation, Figurenentwicklung und Kreatives Schreiben. 

Sie arbeitet mit verschiedenen Verlagen zusammen. Ihre Bücher wurden mehrfach nominiert und ausgezeichnet. 2020 erhielt sie das KIMI-SIEGEL für Diversity und die Lesefieber-Feder für ihre YESHI-Reihe. 2024 erhielt sie den Zürcher Krimipreis für ZÜRCHER VERSTRICKUNGEN – Ein Krimi über die kolonialen Spuren der Stadt Zürich

Website: www.gabrielakasperski.ch

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Gabriela Kasperski _ privat

Walter Pobaschnig, 16.8.2026

https://literaturoutdoors.com

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