
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Katharina Kohm, Schriftstellerin _ München
Liebe Katharina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Da ich während meines Studiums in Heidelberg und der Promotion zu Paul Celan viel zu ihm gearbeitet habe, habe ich über diesen Zugang auch zur Bachmann gefunden. Den Briefwechsel Herzzeit habe ich sehr bald nach Erscheinen gelesen und dabei die korrespondierenden Welten der beiden Dichter auch besser verstanden, Winke mit Sprache in den frühen Bänden von Celan und in den Gedichtbänden der Bachmann. Es gab aber auch problematische Einblicke in das Verhältnis der beiden.
Das letzte Stück Literatur, das ich am Ende meines Studiums in Heidelberg im Petit Paris las, war Bachmanns Malina.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Ihre Bildsprache, ihre Reflexion des eigenen Schreibens sowie auch Mut und Wut darin. Sie ist zugänglich, aber gleichzeitig bleibt sie auch verborgen in der Sprache, was die Intonation und die Begegnung mit ihrem Schreiben prägt. Gleichzeitig ist es ein zutiefst menschliches Schreiben.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ich halte Malina für besonders lesenswert. Undine geht hat bei mir ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Von ihren Gedichten sind mir am eindrücklichsten die Zyklen Auf der Flucht und Von einem Land, einem Fluß und den Seen, besonders Gedicht V, weil es aktuell und wahr bleibt, im Gedächtnis geblieben: „Wir aber wollen über Grenzen sprechen, / und gehen auch Grenzen noch durch jedes Wort: / wir werden sie vor Heimweh überschreiten / und dann im Einklang stehn mit jedem Ort.“ Beide Zyklen finden sich in ihrem Gedichtband Anrufung des Großen Bären.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich wäre ihr einfach gerne begegnet.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich hatte für mein Promotionsprojekt meine literarischen Tätigkeiten etwas auf Eis gelegt, die tauen und tauchen gerade wieder auf. Ich arbeite gerade an meinem vierten Gedichtband, der im Grunde auch schon länger steht, ich schreibe neue, was ich sehr genieße, mich sehr freut und vielleicht wird auch irgendwann der Roman fertig, an dem ich immer wieder arbeite.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Mein Königreich, mein Ungargassenland, das ich gehalten habe mit meinen sterblichen Händen, mein herrliches Land, jetzt nicht mehr größter als meine Herdplatte, die zu glühen anfängt, während der Rest des Wassers durch diesen Filter tropft…“ Malina, S. 353
Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person: Katharina Kohm, geboren 1985 in Frankfurt am Main und aufgewachsen in Mörfelden-Walldorf, studierte Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Psychologie in Heidelberg. Sie spielte u.a. in Mannheim und Heidelberg Theater. Ihr Stück „Das Kind und die Königin“ wurde 2012 uraufgeführt. Seit 2017 promoviert sie an der Universität Vechta, verfasst wissenschaftliche Aufsätze, Essays und Rezensionen über Gegenwartslyrik, gibt Seminare und leitet Workshops zu Kreativem Schreiben. Katharina Kohm lebt und arbeitet in München, Vechta und Frankfurt.
Werkauswahl: 2010 erschien Katharina Kohms Debütband „Schuppenflügel. Ein Zyklus in Kehrtwenden“ (Llux-Verlag). Es folgten der Lyrikband „Phosphor. Ein Übergeben“ (2019, Geest-Verlag), der innerhalb des Bandes in Korrespondenz zu Zeichnungen und Graphiken der Berliner Künstlerin und Professorin Ruth Tesmar tritt, und der Band „In Melanin“ (2021, gutleut verlag). Kohm, Katharina – Hessischer Literaturrat e.V. 27.7.26
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Katharina Kohm _ privat
Walter Pobaschnig, 26.7.2026