„In der Lektüre ihrer Texte zeigt sich, was für eine faszinierende Person sie gewesen sein muss, strahlend, schwierig, kämpferisch“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _  Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien 22.8.2026

Ingeborg Bachmann _   Isabella Feimer

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung in Rom,
Bocca de Leone, um 1970
  Isabella Feimer, Schriftstellerin Wien _ Station bei Malina _ Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 2/26_ folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Isabella, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Seit ich vor vielen vielen vielen Jahren den Roman „Malina“ gelesen habe, bin ich fasziniert und bewegt von Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. In der Lektüre ihrer Texte zeigt sich, was für eine faszinierende Person sie gewesen sein muss, strahlend, schwierig, kämpferisch. Immer wieder greife ich auf ihre Texte zurück, ja, spinne sie im eigenen Arbeiten auch weiter. Sie erzählen so viel Welt – und das aus der Sicht einer Frau. Wie großartig!

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das Besondere ist ihre Offenheit, die sie den Worten als Unterton beiseite stellt. Diese Offenheit lässt die Texte verwundbar erscheinen und zeigen, wie stark die Schriftstellerin ist – dass sie sich den Wunden stellen kann. Und ich finde, dass die Texte weit ihrer Zeit voraus waren und immer noch und auch zukünftig modern sein werden.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Mein Lieblingswerk ist „Malina“. Jede weitere Lektüre des Romans, den ich als zeitlos empfinde, bringt neue Ein- und Ansichten hervor. Unlängst habe ich mich auch wieder mit den Gedichten befasst, und da sind mir einige unter die Haut gegangen, wie z.B. Entfremdung, in dem steht: „Ich bin satt von der Zeit / und hungre nach ihr“ … das klingt wie das Jetzt, in dem wir uns befinden.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wie gesagt, ich glaube, dass Bachmanns Texte zeitlos sind und im Jetzt eine ebensolche, wenn nicht noch bedeutendere Ausdruckskraft haben. Und: sie hat Recht! Gleichsam ist in ihren Texten so ein latenter Wunsch nach Utopie, nach Hoffnung … auch den sehe ich gegenwärtig.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Wir lieben vielleicht gleich, aber wir begehren anders. Wir Frauen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Des Martyriums würde ich nicht sagen, aber der Einsamkeit und somit Stille sehr wohl, wobei ich nicht finde, dass das etwas Schlimmes ist. Und des Blickes in die eigenen Abgründe. Dort, wo es in einem am Dunkelsten ist, findet sich das grellste Licht für die Texte.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ich glaube, dass Ingeborg Bachmann (wie auch andere wunderbare Schriftstellerinnen) zu Recht eine Ikone ist – vor allem für uns Schriftstellerinnen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich bin ja schüchtern, und ihr gegenüber wäre ich sicher auch ein bisschen „star-struck“, deshalb weiß ich nicht, ob ich mit ihr geredet hätte ; ) – vielleicht hätten wir einfach nur schweigend eine Zigarette miteinander geraucht.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Gerade ist ja mein Roman „Dreiundsiebzig Quadratmeter“ erschienen, in dem auch auf „Malina“ in spezieller Art Bezug genommen wird, und nun habe ich an einem neuen Romanmanuskript zu schreiben begonnen. Und ich feinschleife derzeit an Gedichten.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Darum male ich mir den Tag aus, an dem kein Mensch mehr abhängig von einem anderen ist …“ aus: Malina.

Herzlichen Dank für das Interview!

Danke auch!

  Isabella Feimer, Schriftstellerin Wien _ Station bei Malina _ Originalschauplatz Wien _

Zur Person_ Isabella Feimer

geboren 1976 in Niederösterreich, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und arbeitet seit 1999 als freie Regisseurin und Schriftstellerin in Wien. Sie schreibt Prosa, Essays, Lyrik und Theatertexte und veröffentlichte seit 2009 in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. Feimer erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich und die Buchprämie der Kulturabteilung des Bundes. Zu ihren Inspirationsquellen zählen ihre Reisen und die intensive Beschäftigung mit Bildender Kunst, Fotografie und Film. Bei Haymon erschien zuletzt 2025 der Gedichtband „Versuch einer Verpuppung“. Isabella Feimer – Haymon Verlag 18.8.26

Aktueller Roman:

Isabella Feimer, Dreiundsiebzig Quadratmeter, Roman.

ISBN 978-3-7099-8284-6

180 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Erscheinungsdatum: 06.08.2026

23,90 € Preis inkl. Mehrwertsteuer

Presseinfo Verlag: Dreiundsiebzig Quadratmeter – Haymon Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Isabella Feimer, Schriftstellerin _ Wien _ Station bei Malina _ Originalschauplatz Wien _Walter Pobaschnig 2/26_ folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

Herzlichen Dank für die freundliche Kooperation an Herrn Tarani/Teppiche Tarani Wien!

Walter Pobaschnig, 12.8.2026

https://literaturoutdoors.com

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