„Aufbruch und Neubeginn sind schön und gut, aber die meisten vergessen, dass es dafür erstmal ein Ende braucht“ _ 5 Fragen an Künstler*innen _ Der Tod 12.8.2026

5 Fragen an Schriftsteller*innen   

Der Tod

Lieber Tod, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da die Schriftstellerei ja von jeher eher eine Nebentätigkeit von mir ist, hat sich da nach Fertigstellung des neuen Romans nicht viel geändert. Außer, dass ich mit der ein oder anderen abgeholten Seele nun etwas mehr Smalltalk halten kann, weil ich nicht noch Kapitel xy überarbeiten muss.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das neue Buch kaufen natürlich. Ist gerade in diesen wilden Zeiten auch eine Form der Vorsorge. Ich will nichts versprechen, aber wenn man mir beim finalen Haustürbesuch mein eigenes schriftliches Werk unter die Kutte hält, dann könnte es sein, dass ich spontan umdisponiere und erstmal beim Nachbarn klingeln gehe.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind schön und gut, aber die meisten vergessen, dass es dafür erstmal ein Ende braucht. Das nicht aus den Augen zu verlieren, wird meine Rolle bleiben. Ansonsten darf man sich auch nicht zu wichtig nehmen. Kunst hat schon immer die Aufgabe gehabt, nicht nur zu erfreuen, sondern auch zu hinterfragen und neue Anstöße zu geben. Möglichst so subtil, dass, zum Beispiel im Falle der Literatur, die Leserschaft den Eindruck hat, selbst auf diese Gedanken gekommen zu sein. Und manchmal klappt es auch nicht. Dann bleibt es beim Erfreuen. Was auch völlig genügt.

Was liest Du derzeit?

Die neuen Gesetze und Verordnungen der letzten Pflege- und Gesundheitsreform. Ich vermute, da kommen einige Überstunden auf mich zu.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein aktueller Roman spielt teilweise auf dem Alten Sankt Matthäus Kirchhof in Schöneberg. Dort gibt es auch ein Friedhofscafé mit dem Namen Finovo. Der Name des realen Cafés setzt sich aus »Fin« für Ende und »Novo« für Neubeginn zusammen. Trotzdem ist in Finovo nur ein einziges n enthalten. Weil jedes Ende bereits einen Teil des neuen Anfangs enthält. Dieser tröstlicher Gedanke ist ein guter Abschluss, wie ich finde.

Vielen Dank für das Interview!

Der Tod, Schriftsteller

Aktueller Roman: UPDEAD. Ein Death-Comedy-Roman _ Satyr Verlag

Über das Buch:
Muss das Jenseits modernisiert werden? Wie steht es um die Zukunft des Todes? Hilft
ein kleiner Tod, der überraschend als potenzieller Nachfolger auftaucht? Oder
übernimmt auch das Sterben bald eine KI? – Eine schwarzhumorige Fantasysatire über
den großen Traum der Menschheit: Unsterblichkeit.
Der ewige Traum der Menschheit: die Abschaffung des Todes. Die bisherigen Versuche
haben dem Sensenmann nur ein müdes Lächeln abgerungen. Doch nun entwickelt ein
größenwahnsinniger Tech-Milliardär eine KI, die ewiges Leben verspricht. Was folgt, ist
ein irrwitziger Kampf zwischen Sense und Server, zwischen Algorithmus und
Apokalypse, zwischen Speicherplatz und Sanduhr.
Als die KI beginnt, nicht nur den Tod, sondern die ganze Welt zu optimieren, formiert
sich ein skurriles Widerstandsbündnis aus Apokalyptischen Reitern, Friedhofsgärtnern,
Gruftis und Aktivisten, die spüren, dass eine Welt ganz ohne Ende auch nicht
funktionieren kann.
Der Erfinder der Death Comedy schreibt mit viel schwarzem Humor über Unsterblichkeit,
künstliche Intelligenz und die beruhigende Tatsache, dass selbst für den Tod irgendwann
mal Feierabend ist.
(Pressetext Verlag)

Lesungen:
12.09.2026, Erfurt, DasDie Brettl
13.09.2026, Berlin, Theater Die Wühlmäuse

Fotos: Verlag

Walter Pobaschnig, 30.7. 2026

https://literaturoutdoors.com

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