50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Katharina Riese, Schriftstellerin _ Wien.
Bachmannpreisnominierte 1994
Liebe Katharina, Du hast 1994 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Meine erste Erinnerung? Leider nicht so toll. Ich war damals von Konstanze Fliedl eingeladen worden. Ich hatte nichts eingereicht. Das war erst einmal eine freudige Überraschung. Ich war und bin Kurzprosaautorin, hatte also kein Roman- und/oder Buchprojekt, das durch die Lesung hätte lanciert werden können.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Innerhalb der Literatur als Branche – vor allem bei Verlagen und Literaturkritik – ist die Teilnahme am Wettlesen ein Gewinn. Bei Einreichungen kann man das erwähnen. Durch die vom Piper Verlag herausgegebenen Sammelband waren die gelesenen Texte auch nach dem Wettlesen noch nachlesbar – das ist auch wertvoll.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Ich hatte bei der Verlosung den ersten Termin am ersten Tag gezogen – nicht so günstig. Die Reaktionen auf meine Lesung waren sehr unterschiedlich: von sehr gut, interessant, nicht so überzeugend bis einfach schlecht. Ich wurde trotzdem für den Bachmann-Preis nominiert. Habe aber dann bei den Abstimmungen keinen der drei Preise gewonnen. Das fand ich aber nicht so schlimm. Es war trotzdem eine interessante Erfahrung. Schlimm fand/finde ich, dass ich im Fototeil des Piper-Sammelbandes als Einzige unter all den am Bachmannpreis aktiv Beteiligten und Gästen nicht vorkomme – das war/ist tatsächlich eine Kränkung.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Weder, noch. Ich kann mich auf keine Nachfrage in der Folge meiner Teilnahme erinnern. Auf meinen Schreibstil auch nicht. Dass jemand aufgrund der Jury-Meldungen seinen Schreibstil ändert, kann ich mir auch nicht vorstellen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?
Die Übertragungen in 3-SAT sind ja super, aber der ORF könnte stolzer sein auf seine „eigene“ Veranstaltung und mehr darüber bringen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Ich wünsche das nicht nur, ich glaube auch, dass gerade in unseren Zeiten ‚ die menschliche Stimme – worauf ja auch Ingeborg Bachmann hingewiesen hat – in Konkurrenz mit der Technik als das Wertvollste wahrgenommen wird, das wir haben.
A pro pos Stimme: Im ORF-Kunstradio-Archiv ist meine inzwischen schon selbst historische O-Ton-Komposition aus dem Jahr 1993 „Frau Bachmann. Ein Stimmporträt“ – jederzeit nachhörbar. Produktion: ORF-Kunstradio unter Heidi Grundmann: https://www.kunstradio.at/1993B/23_12_93.html
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Katharina Riese, *1946 in Linz, lebt in Wien. Studium der Volkskunde und Kunstgeschichte in Wien und Basel, Dr. phil. Begann ihr literarisches Schreibleben als Mitbewegte der feministischen Avantgarde in den Achtzigerjahren in Wien.
Zuletzt: Gedichtband, Podium Porträt 124 zum 77. Geburtstag; „Die gute Wurst aus Holz. Dr. Peukert. Erfinder. Vater“, Klever, Wien 2023; Projektstipendium des bmwkms 2025/26; „Wieder Tauben. Bilder aus der Oberwelt“, Klever, Wien 2026.

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Katharina Riese _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 18.6.2026