5 Fragen an Künstler*innen
Günter Neuwirth, Schriftsteller _ Wien
Lieber Günter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wache früh auf und arbeite kreativ vorzugsweise am Vormittag. Das, was ich literarisch bis Mittag nicht schaffe, kriege ich bis Mitternacht auch nicht mehr fertig.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Im Moment des Schreibens ist die Mittagszeit des 5. August 2026. Gestern erreichte die Temperatur in Wien Stammersdorf 41 Grad, somit den höchsten jemals in Österreich gemessenen Wert, also ist besonders wichtig, kühlen Kopf zu bewahren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Möglichkeiten der Kunst, die Welt oder die Menschen zu verändern, sind sehr beschränkt, da mache ich mir als Autor keine Illusionen. Und ich sehe auch keinen gesellschaftlichen Aufbruch, sondern das immer schneller heranziehende Ende der menschlichen Hochpopulation. Ich bin kein Endzeitspinner, sondern natur- und geisteswissenschaftlich geschulter Realist, der Mathematik anzuwenden in der Lage ist. Wenn die globale landwirtschaftliche Produktion und die Verteilung der Wasserreserven durch Klimawandel, Misswirtschaft und strohdumme Kriege ins Stocken gerät, wird es finster.
Was liest Du derzeit?
Den sprachlich ausgezeichneten historischen Kriminalroman meiner Grazer Kollegin Gudrun Wieser: Geheimnisse in der Grünen Mark. Exzellente Stilistin!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich zitiere hier gern den unvergesslichen Musiker und Gelegenheitspoeten Joe Zawinul (Erdäpfee Blues)
I schau aus wira Erdäpfee
Von Kopf zu Fuaß
Des is o.k.
Solang I ma need de Erdäpfeen
Von unt anschaun muaß
Hier eine hochdeutsche Übersetzung aus dem Wiener Dialekt:
Ich sehe aus wie eine Kartoffel
Von Kopf bis Fuß
Das ist okay
Solange ich mir nicht die Kartoffeln
von unten ansehen muss (Redewendung für begraben sein)
Vielen Dank für das Interview!

Zur Person: Günter Neuwirth, geboren 1966, wuchs in Wien auf. Nach einer Ausbildung zum Ingenieur und dem Studium der Philosophie und Germanistik zog es ihn für mehrere Jahre nach Graz und später in die Weststeiermark. Heute wohnt der Autor in Wien und ist in einem Entwicklungsteam an der TU Graz berufstätig. Günter Neuwirth veröffentlicht in steter Folge Bücher in verschiedenen Genres. Bekanntheit erhielt vor allem eine Serie historischer Romane, die im vormals k.u.k. Triest angesiedelt sind. Mehrmals trat Neuwirth als Organisator des internationalen Festivals CRIMINALE in Erscheinung. (Presseinfo Verlag Kremayr&Scheriau 5.8.26)
Aktueller Roman von Günter Neuwirth:

Carl Schreiner ist das mediale Aushängeschild seiner Zunft. Der Salzburger Philosoph reüssiert sowohl im akademischen Bereich, auf den Bestsellerlisten als auch auf TV-Bühnen. Bis er während einer Live-Übertragung von der Leipziger Buchmesse einen Herzinfarkt erleidet.
Nach den Wochen in der Intensivstation zeigt sich sein Denken völlig verändert. Nichtig sind ihm Ruhm, Anerkennung und Auflagenzahlen. Carl sieht immer klarer, auf welch brüchigem Eis die menschliche Gesellschaft steht. Und er wird zusehends unnahbarer. Seine Frau Ashton, eine renommierte britische Übersetzerin, sorgt sich zusehends und rät Carl, auf dem Bergbauernhof seiner Großeltern im Lungau ein paar Tage Urlaub zu verbringen.
Dort angekommen verfolgt Carl ehrgeizige Pläne.
Dann erhält er unerwarteten Besuch. (Presseinfo Verlag)
Günter Neuwirth, Des Winters helle Tage, Roman
Hardcover mit Lesebändchen, gebunden, 312 Seiten, Format 12,0 x 20,0
1.Auflage, Kremayr & Scheriau 2026
26,00 € inkl. MwSt.
ISBN: 978-3-218-01516-5
Foto/Portrait: Nora Ehrenhuber
Foto/Cover: Verlag
Walter Pobaschnig, 5.8. 2026