„eine neue Perspektive der Weiblichkeit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Maja Loewe, Schriftstellerin _ Lübeck 14.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Maja Loewe

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin _ Lübeck

Liebe Maja Loewe, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich habe sofort ihre Stimme im Ohr, wenn ich an sie denke. Manchmal, in besonderen Stimmungen, poetisiert sie in meinem Kopf aus dem Off.


Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre Sprache, die Bilder, der Rhythmus – es ist ein eigener Kosmos, in dem ich mich gerne bewege und verliere.


Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich liebe ihre Gedichte, wie „Die große Fracht“ und höre sie mir gerne und immer wieder auf Lyrikline.org an. Irgendwie gehört für mich ihre Art zu sprechen, dazu… Ich mag auch ihre Erzählungen. „Ein Schritt nach Gomorrha“ hat mich sehr fasziniert, weil sie da für mich eine neue Perspektive auf Weiblichkeit aufgemacht hat, die mich nachhaltig beschäftigt hat.


Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Für mich reicht ihre Stimme bis in die Gegenwart und hat nichts an ihrer Kraft verloren. Vielleicht weil sie über die Essenz der Dinge schreibt. Ihr Werk schlägt etwas an, dass keinen immanenten Zeitkern hat – wie eine Ur-Wahrheit als Hintergrundfolie ihres Schreibens.

Ihre Worte sind eine universelle Mahnung an die Menschlichkeit.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Vorsichtiger, achtsamer… Darauf bedacht, sich nicht selbst zu zerstören.


„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

In einer bestimmten Lebensphase ‚ja‘. Schreiben und dabei die Welt sezieren, erdet nicht. Als hätte man Luftwurzeln und sucht ständig in Worten nach Halt. Doch die sind mitunter flüchtig. Ich denke, es ist wichtig, zu lernen und zu erkennen, wer man ist. Vielleicht darf man sich und seine Identität nicht mit dem Schreiben verwechseln, sich nicht gänzlich darin auflösen… der Schmerz von Ingeborg Bachmann ist bis ins Heute spürbar.


Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ihren Sprachkosmos und die eigentümliche Magie, die ihren Texten innewohnt. Durch sie verwandelt sich eine einfache Möwe, in einen Schrei, der bis in die Gegenwart hallt…

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte gerne mit ihr beieinandergesessen und mit ihr geschwiegen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Momentan beschäftigte ich mich mit den Schnittstellen von Lyrik und den Möglichkeiten von KI. Ich habe die virtuelle Person „Frida Frei“ erschaffen, die als gesellschaftskritisches Sprachrohr funktioniert – ein Versuch künstlicher Intelligenz eine Seele einzuhauchen, zur universellen Projektionsfläche zu machen – im foucaultschen Sinne, ein mächtiges mediales Werkzeug für ‚das Gute‘ zu gebrauchen.

Zu Frida Frei & aktueller Song _ open spotify

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?


„Der Krieg wird nicht mehr erklärt,

sondern fortgesetzt.“

Aus „Alle Tage“

Herzlichen Dank für das Interview!

  Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Maja Loewe _ privat

Walter Pobaschnig, 18.5.26

https://literaturoutdoors.com

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