„The winner takes it all! … Na gut, ich war beim Bachmannpreis.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Nikolai Vogel, Schriftsteller _ München 3.7.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt


im Interview  _ Nikolai Vogel _ Schriftsteller, Bildender Künstler_ München

Bachmannpreisnominierter 2005

Lieber Nikolai, Du hast 2005 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich habe bei der Verlosung der Reihenfolge die eher ungeliebte Nummer 1 gezogen … Als ich morgens im Studio war und gerade in die Maske sollte, wurde ich da dann nochmal zurückgerufen, weil Iris Radisch, die Juryvorsitzende, gerade kam, und wichtiger war. Von ihr gab es keine Begrüßung, kein Hallo, kein aufmunterndes Wort zum Start – das fand ich sehr befremdlich, ich war da aber auch noch zu schüchten oder unerfahren, um das einfach selbst zu übernehmen …


Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Live, Fernsehen, you never know …


Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Meine Lesung war wie gesagt sehr früh. Die Diskussion ziemlich spannend, auch lustig. Radisch‘ Vergleich mit Bachmanns Undine ziemlich strange …

Die Preisverleihung ist schon interessant. Diese ganze Interessensdynamik. Ich glaube, ich war in meinem Jahrgang vielleicht der Einzige, der seinen Juror vorher nicht persönlich kannte, und habe mitbekommen, dass andere von Ihren Juror*innen halt gefragt worden waren, ob sie nicht einen passenden Text hätten. Auch die ganzen Verlagsinteressen und Manuskripte, die längst in trockenen Tüchern sind und dort dann womöglich noch einen Werbeschub bekommen sollen … Ich empfand es so, dass etliche Juror*innen das als Power Play verstanden, als taktisches Spiel. Es gab sogar eine Jurorin, die sich dann bei mir entschuldigt hat, dass sie nicht für meinen Text gestimmt hat, den sie toll fand, aber sie habe natürlich den eigenen Kandidaten unterstützen müssen …


Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

The winner takes it all! … Na gut, ich war beim Bachmannpreis. Kollegen hatten mich gewarnt: Willst Du da wirklich hin – aber ich wollte! Ich wusste, dass teils mit harten Bandagen diskutiert wird, aber ich wollte! Ich wusste, ich lese gerne vor Publikum, ich habe kein schlimmes Lampenfieber, sondern nur eine kribbelnde Grundnervosität, die mich wach hält … 


Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Texte, Juror*innen, die gute Texte gut finden, Autor*innen, die sich darauf einlassen, im Wissen, dass es Fernsehen ist …


Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mut, Gelassenheit, Neugier, Unangepasstheit!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ebenfalls! Rien ne va plus!

Nikolai Vogel _ Schriftsteller, Bildender Künstler

Zur Person: http://www.nikolaivogel.com/

große Begeisterung und Vorfreude beim Publikum vor den Lesungen _
50.Bachmannpreis _ 2026

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Altstadt
Wörthersee

Foto: Nikolai Vogel _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig



Walter Pobaschnig, 26.6.26

https://literaturoutdoors.com

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