„ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München

Bachmannpreisnominierter 1992

Lieber Friedrich, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Viel Wein, Fußball in sengender Hitze, merkwürdige Argumente zu merkwürdigen Texten, eine gewisse Hibbeligkeit aller Beteiligten, alles in allem: eine Parallelwelt im Grünen, erholsam und verwirrend.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Es herrscht eine große Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Autorinnen und Autoren und deren Arbeit. Man wird wahrgenommen, ein Austausch von Ideen, Zweifeln, Sehnsüchten findet statt, die Illusion entsteht: Aus mir könnte etwas werden.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Da ich wusste, dass mein Text kein Hit sein würde, war ich entspannt und dann erfreut, dass die Kritik ziemlich milde ausfiel – jedenfalls in meiner Erinnerung.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich erhielt ein Stipendium in Berlin, schrieb dort neue Sachen, die mir ein paar Tür öffneten, sodass ich allmählich zum Schriftsteller wurde, dessen Manuskripte gedruckt und gesehen wurden.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Autoren und Autorinnen und eine entspannte Jury ohne Narzissten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wer dort liest, weiß, was er tut, und ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall, in dem, laut Nietzsche, auch viel Lärm ist. Dem Wettbewerb wünsche ich Glück und stets genügend Geld.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Friedrich Ani, Schriftsteller

Zur Person: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin.

Münchner Literaturpreis 2026

Andreas Hoh Krimifestival-Preis 2024

Crime Cologne Sonderpreis 2017

)Bio/Suhrkamp _ 17.6.26)

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Foto: Friedrich Ani _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.26

https://literaturoutdoors.com

Hinterlasse einen Kommentar