„Wir teilten die Aufregung, die Furcht, das Beben, die Freude und Enttäuschung“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Margrit Schriber, Schriftstellerin _ Aargau/CH 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Margrit Schriber, Schriftstellerin _ Aargau/CH

Bachmannpreisnominierte 1981

Liebe Margrit, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind Deine Erinnerungen?

Lieber Walter Pobaschnig

Hier meine Antwort:

Es war ein sehr emotionales, bewegendes Ereignis.

Als Autorin, die ganz in der Abgeschiedenheit lebte und arbeitete, verbrachte ich diese Tage mit anderen Autorinnen und Autoren zusammen. Wir teilten die Aufregung, die Furcht, das Beben, die Freude und Enttäuschung. Dies schloss uns zusammen. Wir wurden Freunde, Mitfiebernde, Tröster und Mitfeiernde. Nach der Rückkehr zur einsamen Arbeit am Schreibtisch in der Stille, verband mich dieses Erlebnis innerlich das ganze Leben mit den anderen Teilnehmenden.

Heute bin ich siebenundachtzig Jahre alt. Aber ich habe nie wieder eine gleichzeitig so himmelhochjauchzende und niederschmetternde Zeit erlebt. Respekt vor dem Gang durch Himmel und Hölle hat mich von einer späteren Einladung zurück schrecken lassen. Ich fühlte mich in jenem Augenblick nicht stählern genug, um diesen inneren Tumult durchzustehen.

Nur schon die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb bedeutet eine wichtige Auszeichnung für Schreibende, denn eine gute literarische Arbeit ist  Voraussetzung. Und zeigt, dass das Werk bereits das Interesse einer interessierten Öffentlichkeit auf sich gezogen hat. Es verlangt aber auch ein Mass an Selbstsicherheit, Mut, Kraft und Robustheit. Autor/innen, die sich dies zutrauen, würde ich leidenschaftlich zum Gang durch Himmel und Hölle raten. Die Erfahrung ist einmalig und man muss sie gemacht haben. Es ist die geballte Konzentration aufs eigene Werk, auf seine Kritiker und Leser .

Margrit Schriber

Herzlichen Dank für Deine Erinnerungen und alles Gute!

Margrit Schriber, Schriftstellerin

Zur Person: MARGRIT SCHRIBER wurde 1939 in Luzern als Tochter eines Wunderheilers geboren. Sie arbeitete als Bankangestellte, Fotomodell, Immobilienverwalterin und schrieb in dieser Zeit 22 Bücher, in denen sie Frauen eine Stimme gab, die nie eine Stimme hatten. Mit ihrem eigenständigen, bildstarken Erzählen und ihren originellen Heldinnen gehört sie zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Schweiz.

„Im Oktober 26 erscheint mein Erzählband BLATTGOLD beim Atlantis-Verlag Schweiz. Und heute unterzeichne ich den Vertrag für einen neuen Roman, der dort im Herbst 27 erscheinen soll. Also hat sich die Lesung in Klagenfurt mehr als gelohnt, nicht wahr?!“

Bachmannpreis _ Jury/Moderation _ ORF Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Schloss Loretto/Wörthersee _ Empfang der Stadt Klagenfurt

Foto: Margrit Schriber _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Kärnten/Wörthersee_Schloss Loretto_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 14.6.26

https://literaturoutdoors.com

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