50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Claudia Erdheim, Schriftstellerin _ Wien
Bachmannpreisnominierte 1987
Liebe Claudia, Du hast 1987 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Meine ersten Erinnerungen sind nicht die besten. Mein Juror, Manfred Diercks, stimmte nicht für mich, obwohl ich zu jener Gruppe zählte, über die am Schluss abgestimmt werden sollte. Abgesehen davon, war ich sehr aufgeregt, weil mich das Ganze an eine Prüfungssituation erinnerte.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Besondere am Bachmannpreises ist die große Aufmerksamkeit, die er im deutschsprachigen Raum genießt.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Die Juroren schienen mir kompetent, aber nicht gerecht. Damals gab es noch die DDR und es war von Vornherein klar, dass der Autor aus der DDR den Preis bekommen würde.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Die Auswirkungen auf meinen weiteren literarischen Weg waren gering. Eine Lektorin des Diogenesverlages forderte mich auf, ihr mein Manuskript zu schicken, wenn es fertig wäre. Leider wurde aber der Lektorin das ihr von mir geschickte Manuskript nicht ausgehändigt. Auf meinen Schreibstil gab es keinen Einfluss.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Für die weitere Entwicklung des Bachmannpreises braucht es unabhängigere und in ihrer Entscheidung freiere Juroren, was im Lauf der Jahre nicht immer der Fall war.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Alle Beteiligten, vor allem aber die Jury, sollten sich nicht so wichtig nehmen.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Claudia Erdheim, Schriftstellerin, 1945 in Wien geboren. Studium der Philosophie und Logik in Wien, München und Kiel. Von 1985 bis 2005 Universitätslektorin in Wien. 1996 bis 1998 Russlandaufenthalt. Von 2000 bis 2003 zu Recherchezwecken immer wieder längere Aufenthalte in Lemberg. 2008 fünf Monate Israelaufenthalt. 1984 erschien mein erster Roman „Bist du wahnsinnig geworden?“ Es folgten zahlreiche Romane und Erzählungen. U.a. 2006 „Längst nicht mehr koscher“. Zahlreiche Stipendien.
2019 Theodor Kramer Preis.

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Bachmannpreis- Empfang der Stadt Klagenfurt
Foto: Claudia Erdheim _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 11.6.26