50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Sabine Peters, Schriftstellerin _ Hamburg
Bachmannpreisnominierte 1989
Liebe Sabine, Du hast 1989 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Die Literaturredakteurin Gisela Lindemann vom NDR Hannover hatte mich eingeladen. Es war mein zweites oder drittes öffentliches Auftreten; entsprechend unsicher fühlte ich mich. Gisela Lindemann nahm sich rund um Klagenfurt, auch in Briefen danach die Zeit, mit mir über Literatur und den Literaturbetrieb zu sprechen. Sie starb noch 1989. Aber die Erinnerung an ihre außerordentliche Intellektualität und Empathie für Menschen und Texte ist mir immer noch lebendig.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das kann ich nicht beurteilen, denn ich verfolge die Veranstaltung nicht im Netz; lese allerdings viele Texte.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Daran erinnere ich mich kaum. Bei einigen Kolleg:innen ging es in den Jurydiskussionen hoch her; und es ist für Autor:innen kaum eine Freude, sich, von Publikum und Kamera beobachtet, die Kritiken anzuhören.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Es braucht immer helle Köpfe auf allen Seiten, die auch jenseits eingefahrener Muster wahrnehmen, denken, reden und schreiben können.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Die Rolle eines Botschafters oder Ratgebers ist mir drei Nummern zu groß. Ich habe allerdings seit 1989 Zweifel an dem Wettbewerbscharakter der Veranstaltung. Literatur ist kein sportevent, bei dem sich der oder die Beste mit der Stoppuhr ermitteln lässt. Der öffentliche Hype, der kurzfristig um oft sehr junge Kolleg:innen gemacht wird, tut vielen von uns nicht gut. Man könnte auf die einzelnen Preise für diesen oder jenen Menschen verzichten und sämtliche Gelder an alle Autor:innen gleichmäßig verteilen. Damit würde sich die Aufmerksamkeit auf die Texte und ihre Kritik richten.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Sabine Peters, geboren 1961 in Neuwied/ D. Soziales Jahr in Tübingen. Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie u Politik in Hamburg. Lebt dort als
freischaffende Autorin.
Letzte Veröffentlichungen: „Ein wahrer Apfel leuchtete am Himmelszelt“,
Wallstein 2020. „Die dritte Hälfte.“ Roman. Wallstein 2024
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Sabine Peters _ privat.
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio_ Empfang der Stadt Klagenfurt/Schloss Loretto _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 28.5.2026