„Authentizität in allem“ Heidi Niederhauser, Schriftstellerin _ Bern 20.3.2026

Liebe Heidi, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Meinen Tagesablauf kann ich weitgehend selbst einteilen. Grundsätzlich bin ich eher der Morgenmensch, also eine Lerche. Diese sind in den frühen Morgenstunden am produktivsten. Die ideale Zeit zum Schreiben ist immer dann, wenn sie dazu genutzt wird. Die Zeiten gestalten sich mitunter recht unterschiedlich. Ich entwickle den besten Schreibflow, wenn ich in aufgeräumter Stimmung bin, innerlich und äußerlich.

Der Morgen ist in seiner Pracht unschuldig und noch nicht mit dem Blütenstaub der unerledigten Besorgungen überlagert.

Es kommt aber vor, dass Gedankenfragmente mitten in der Nacht ausbrechen und diese müssen unmittelbar festgehalten werden, weil sie sich in den frühen Stunden bereits verflüchtigt haben könnten.

Nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit ist es belebend, sich die Tage nach freiem Ermessen gestalten zu können.

Heidi Niederhauser, Schriftstellerin

Was ist für uns alle besonders wichtig?

Ich mag mich dahingehend äußern, dass für mich die Authentizität in allem, was ich tue, wichtig ist. Das ist es, was die Lesenden sofort spüren und schätzen. Sei es im Umgang mit den sozialen Medien oder bei den Lesungen.

Wichtig ist, was uns gut tut und uns bestärkt, das Leben mit einer offenen und positiven Art und Weise umzusetzen. Den Fokus auf das Aufbauende richten und nicht dauernd das Weltgeschehen lamentieren. Zu viel Weltenschmerz frisst die Kreativität. Meine Meinung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir stehen, ungeachtet der aktuellen Weltlage, immer in der einen oder anderen Form vor einem Aufbruch und Neubeginn. Im Moment dürfen wir das Mischen der Karten einer neuen Weltordnung miterleben. Ob wir wollen oder nicht.

Ob in Krisenzeiten oder in existentiellen Daseinsformen jeglicher Couleur, bringt die Kunst in Leidenszeiten oft die größten Würfe hervor.

Ich muss jedoch nicht stets vor dem persönlichen Weltuntergang stehen, um ergreifende Literatur zu erschaffen oder aufzunehmen. Literatur und Kunst sind unabdingbar und existenziell. Kunstschaffende werden oft als nicht relevant eingestuft, was äußerst fatale Folgen zeigen kann. Wie der Mensch nicht vom Brot allein lebt, ist ein genährter Geist ein kontemplatives Lebenselixier. Es haben nicht alle den gleichen Zugang dazu und dies ist völlig legitim. Doch Literatur und Kunst sind als solches nicht in Frage zu stellen, mit gekürzten Budgets und Sendezeiten, die kein Mensch mehr erduldet. Vielmehr dienen sie als Grundlage einer philosophischen Gesellschaft und zeigen in verschiedenen Formen eine Werthaltung auf. Kunstschaffende werden gerne klein gehalten, was sich jahrelang im Wort “Kleinkunst” manifestiert hat.

Autoren kämpfen um ihre Daseinsberechtigung. Ein schneller und übersättigter Markt ruft nach immer schnelleren und günstigeren Produktionen. Nicht selten auf Kosten der Qualität.

Geben wir der Kunst und Literatur die Rolle, die sie verdient: eine Lebensnotwendige. Mag das Fressen auch vor der Moral kommen, so ist es für die Schreibenden von zentraler Bedeutung, sich ihren Platz in der Literatur zu wahren.

Was liest du derzeit?

Wer selbst schreibend ist, wenigstens in meinem Fall, hat nicht mehr große freie Kapazität, um nebenbei noch viel zu lesen. Ich gehöre zudem zu einer sehr langsamen Sorte.

“Lázár” von Nelio Biedermann habe ich kürzlich mit größten Genuss gelesen und “25 letzte Sommer” von Stephan Schäfer.

Dort gefiel mir das Cover so gut und es stand monatelang in meinem Bücherkoffer. Jetzt habe ich es fast in einem Zug gelesen, da ich keine 25 Sommer mehr haben werde. Daraus erwächst die Erkenntnis, dass unsere Zeit endlich ist und wir diese nicht mit Schund und Hetze füllen dürfen.

Raus in die Natur und ab und zu ein gutes Buch. Mein Tipp gegen viele Unpässlichkeiten jeglicher Art.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Die Freiheit offenbart sich in Welten, die ich schreibend erschaffe.

Dieses Zitat hier ist für Sie. Text und Gedanken fern von jeglicher KI.

In meinem Debütkrimi „Dahlienknollen, Lüdi ermittelt“ finden sich einige poetische Sätze. Mein Herz gehört den Lyrikern, was mich allerdings nicht davon abhält, eine Krimi-Trilogie zu schreiben.

5 Fragen an Künstler*innen: Heidi Niederhauser, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Heidi Niederhauser lebt seit Jahrzehnten im Berner Oberland. Aufgewachsen ist sie im Emmental, welches Schriftsteller wie Jeremias Gotthelf, Simon Gfeller und Friedrich Dürrenmatt hervorbrachte.

Die Inspiration zum aktuellen Krimi lieferte einen Ausflug ins Emmental, das die Autorin jahrelang gemieden hatte. Als ehemalige Direktionsassistentin und verschiedenen administrativen Tätigkeiten im Planungswesen wurde sie vor ihrer Pensionierung mit der Frage konfrontiert, was noch zu ihrer Berufung werden könnte. Sie musste das Rad nicht neu erfinden, einzig ein Krimi fehlte ihr dazu. Diesen darf sie nun im Rahmen des Reihentitels „Die Blumenmorde“ als erster Teil der „Dahlienknollen“ präsentieren.

Dahlienknollen. Ein veritabler Lesegenuss, auch wenn du kein Blumenfreak bist.

„Lüdi, frisch getrennter, vom Dienst suspendierter Ermittler aus dem Schweizer Emmental,
sehnt sich nach der nächsten großen Herausforderung in seinem Leben. Als die Tochter des
Gärtners eines Tages leblos im Dahlienfeld gefunden wird, wittert Lüdi seine Chance, frischen Wind in seine berufliche Laufbahn zu bringen.
In Eigenregie versucht er, den Mord zu lösen, doch da stellt sich ihm bereits die nächste Hürde in den Weg: Das internationale Unternehmen Energie Van Windparken plant eine große Windkraftanlage in der Region und bringt dadurch das Dorf gegen sich auf. Während sich aus der Bevölkerung verhaltener Widerstand regt, ereignen sich mehrere Todesfälle und Ermittler Lüdi gerät in den Strudel düsterer Ereignisse.

Mit feinem Humor und einer Prise Sarkasmus erzählt die Autorin von den absurden
Geschehnissen, die in der Dorfgemeinschaft zwischen Lästereien und Schweigen stattfinden.

Die Dahlien blühen in voller Pracht, bis sich alles wieder wendet.
„Dahlienknollen“ bildet den Auftakt der „Blumenmorde“-Trilogie und fesselt Lesende mit
Spannung und Witz. Für Fans von Cosy Crime die perfekte Lektüre!“ (Pressetext _ Neptun Verlag)

Heidi Niederhauser
Dahlienknollen

Lüdi ermittelt
Neptun Verlag
ET: 06. Februar 2026
ca. 170 Seiten, Klappenbroschur
€ 22,00 (D) / CHF 22,00 / € 22,60 (A)
ISBN: 978-3-85820-311-3

Fotos: Portrait _ © Foto Wanzenried, Daniela Arbenz; Cover _ Verlag.

Walter Pobaschnig 18.3.2026

https://literaturoutdoors.com

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