Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich träume oft intensiv und versuche beim Aufwachen, mir auf das Geträumte einen Reim zu machen. Das Frühstück ist für mich wichtig, weil es mich für den Tag festigt. Dann entweder ein Tag voller Termine außer Haus, meistens mit spannenden Leuten, mit denen ich mich austausche oder die ich für Projekte gewinnen möchte, oder an anderen Tagen mehrere Stunden zum Verfassen von Texten, u.a. für die von mir initiierte kulturelle Zukunftsplattform ReGenerativa, vgl. https://www.regenerativa.eu (dort schlüpfte ich übrigens auch in die Rolle einer fiktiven Superintelligenz, NAT7G…). Und fast jeden Abend ein reges Kulturprogramm, oft 3-4 Veranstaltungen im Laufe des Abends. Das brauche ich, um möglichst viel Neues zu sehen und zu hören und geistig frisch zu bleiben!

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Über den eigenen Tellerrand zu schauen! Wir leben in einer Welt, in der wir von sozialen Medien und anderen Dynamiken zunehmend in Echokammern gedrängt werden. Diese Fragmentierung untergräbt insbesondere die breite Mitte der Gesellschaft, die wir gerade jetzt, am Beginn eines neuen Zeitalters der Regeneration dringend brauchen. Das Wichtigste ist, dass möglichst viele Menschen guten Willens begreifen, dass eine positive Zukunft nicht von allein kommt, sondern wir sie engagiert gemeinsam gestalten müssen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Das Wesen des Menschen ist bekanntlich die Zukunft. Wir alle sind in unseren verschiedenen Rollen, ob wir wollen oder nicht, Zukunftsdesigner:innen – sei es als Konsument:innen, wählende Bürger:innen, Berufstätige, online aktive User:innen oder generell in unserem Familien- und Freundeskreis. Wir sind gut beraten, uns in allen diesen Rollen für eine Zukunft mit der Natur – und nicht gegen die Natur – einzusetzen, also für nicht-fossile, ökosozial verantwortungsvolle Lebensweisen; dafür braucht es auch neue, regenerative Geschäftsmodelle in der Wirtschaft. Die Wissenschaft hat gerade in unserer Unkultur von Fake News die Aufgabe, die objektive Wahrheit in überprüfbarer Weise zu beschreiben; Forschung ist aber auch für technologischen Fortschritt unverzichtbar. Auf die Imagination und Vision der Kunst sind wir angewiesen, um auch mental aus der Sackgasse fossiler Industrialisierung herauszukommen und uns ein blühendes neues Zeitalter der Regeneration vorstellen zu können. In meinem neuen Buch ZUKUNFTSMUTIG habe ich eine „regenerative Zukunftsleiter“ mit zehn wesentlichen Qualitäten, die wir für die Zukunft benötigen, entwickelt.
Was liest Du derzeit?
BITTERNIS von Joanna Bator und LA BELLA VITA PNR von Sibylle Berg, letzteres wie fast alles von dieser Autorin ein wildes Buch, aber voller mutiger Imagination.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„DESTRUCTION FOLLOWS HATE, BUT FUTURE FOLLOWS LOVE.” (aus dem Buch ZUKUNFTSMUTIG)
Vielen Dank für das Interview, lieber Christoph, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen/Autoren:innen: Christoph Thun-Hohenstein _ Autor, Kulturmanager, Kurator.
Zur Person/über mich: DDr. Christoph Thun-Hohenstein, geboren 1960 in Kärnten, ist Kulturmanager, Kurator, Autor sowie Künstlerischer Leiter der von ihm 2025 initiierten Zukunftsplattform ReGenerativa. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Von 1999 bis 2007 war er Direktor des Austrian Cultural Forum New York und von 2011 bis 2021 Generaldirektor des MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien. Danach leitete er bis 2025 die Sektion für Internationale Kulturangelegenheiten im österreichischen Außenministerium. Er ist auch Initiator der Klima Biennale Wien.
Aktuelles Buch von Christoph Thun-Hohenstein:

„Noch nie zuvor war die persönliche Zukunft so sehr in die der Menschheit und die des Planeten eingebettet. Diesem Gedanken widmet sich der Autor – ebenso intellektuell wie leicht verständlich. Mit großer Leidenschaft und persönlicher Begeisterung entwirft er ein taugliches Konzept für eine denkmögliche positive Zukunft im Zeitalter von Klimakatastrophen, künstlicher Intelligenz und Demokratieverlust.
Ein philosophisches Buch, das Antworten anbietet auf die Frage, wie eine solche Zukunft aussehen könnte.
Ein Buch, das Mut weckt. Mut dafür, an der Verwirklichung einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten und nicht nur davon zu träumen.
Thun-Hohenstein sieht sich selbst als schreibenden Zukunftsdesigner. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer legt er kein konventionelles Sachbuch vor. Er versucht dessen Grenzen zu überschreiten und lehnt sich damit weit hinaus in die Zukunft.“ (Pressetext Verlag)
Zukunftsmutig, Christoph Thun-Hohenstein. Kremayr&Scheriau Verlag, 2026
Hardcover kaschiert, gebunden
168 Seiten, Format 13,5 x 21,5
1 Auflage, Kremayr & Scheriau 2026
26,00 € inkl. MwSt.
ISBN: 978-3-218-01499-1
- E-Book ISBN: 978-3-218-01500-4
Fotos: Portrait _ Sabine Hauswirth/MAK; Cover _ Verlag.
17.3.2026_Interview_Walter Pobaschnig