
„Eri schlug das Herz bis zum Hals. Sie war also angekommen, da, wo ihre Großtante Eri vor siebzig Jahren ihre große Karriere als Modejournalistin begonnen hatte…“
Den Mut des Aubrechens teilt Eri mit ihrer Großtante, jetzt, allein am Bahnhof in Venedig und einer neuen Aufgabe und Herausforderung: „Bewirb dich hier. Lagunennachpflanzung – du kennst dich doch mit Heidepflanzen aus? Noch dazu in Venedig, wo auch für mich alles begann.“, sagte die Großtante.
Und jetzt beginnt das neue Leben, das Ankommen in einer neuen Welt. Und es beginnt gleich mit einem Anruf des Firmenchefs „Signorina, ich wollte Sie nur bitten, sich keine zu großen Hoffnungen zu machen. Eine so verantwortungsvolle Position für eine junge Frau?“ „Liegt Ihre Betonung auf jung oder auf Frau?“, wagte Eri eine Gegenfrage.
Sie wird allen Mut für ihren Weg brauchen. Wie ihre Großtante davor… Jetzt war sie hier. Allein. Keiner nahm sie mehr an der Hand wie die Mutter…
Jana Revedin legt mit „Die Gärtnerin von Venedig“ ihren fünften Roman vor und dieser ist wie seine Vorgänger eine geniale biographische Reise im Kontext von Gesellschaft und Zeit, die in ihrer Erzählkraft- und -spannung von den ersten Sätzen an furios in den Bann zu ziehen weiß.
Die junge Gärtnerin Eris sieht sich vom Beginn ihrer Ankunft in Venedig an mit größten Herausforderungen weiblicher Durchsetzung und Etablierung von Fach- und Führungskompetenz konfrontiert und geht doch konsequent gegen alle persönlichen und gesellschaftlichen Widerstände ihren Weg auf und über den wogenden Wellen der Lagunenstadt…
„Was wollte sie hier, in dieser wuselnden Stadt? Die in bewegten Wassern stand, dem einzigen Element, das Eri von Kindheit an mit stillem Bangen erfüllte…“
Die in Venedig und Kärnten lebende Autorin und Professorin für Architektur ist eine Meisterin des ganz aufmerksamen Wahrnehmens und Wiedergebens von Lebenswegen in existentiellen wie gesellschaftshistorischen Kontexten, die besonders auch das Moment des weiblichen Emanzipierens und Durchsetzens in einer patriarchalen Welt in den Blick der Protagonistinnen nimmt. Dieser Lebens-, Liebes- und Berufsprozess der Frau ist dabei zwischen den Polen von Wirklichkeit und Möglichkeit wie konsequenter Entscheidung und Beharrlichkeit angesiedelt. Es ist eine Form von visionärem feministischen Pragmatismus, der immer zur großen Revolution wie stetigen Veränderung bereit ist.
Die Gärtnerin von Venedig. Roman. Braumüller Verlag.
Prof. Dr. Jana Revedin
ISBN-13: 978-3-99200-413-3
erschienen: 02.03.2026
Seiten: 272
Format: 11,50×18,40
Preis: € 24,00
Walter Pobaschnig 3/26