Liebe Tatjana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ein normaler Tag (wie es auch Virginia Woolf beschreibt): Noch immer halte ich an Bewährtem aus der 2jährigen Coronaisolation fest. Unspektakulär autistisch, wirkungsvoll in schönster Disziplin: Frühmorgens Lesehalbestunde Zeitungen, Bücher von Autorenkollegen, es stapelt sich an verschiedene Stellen im Haus, Sport, meinen Selbstversorgergarten und Haus besorgen, Büro-/Admin- und Schreibzeit, Küche, ich koche täglich, viel Buntes aus dem Garten, Ruhezeit, wenn nicht ein Termin, eine Lesung ansteht, kreative Schreibzeit 2. Schicht am Abend, oft des Längeren, bis Mitternacht.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wie zu allen Zeiten und in schwierigen besonders: Früher aufstehen,-), Bewegung, Reduktion, Freundlichkeit anderen gegenüber, Achtsamkeit, Konzentration, Zielbewusstsein, Dankbarkeit, mit Ressourcen gut haushalten, positiv gestimmt voll Energie und Kreativität die Dinge tun, für die man da ist. Zuversicht hellen Blicks – Gottvertrauen für jene, die glauben.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Selbsterkenntnis, rasches Lernen, Verantwortungsbewusstsein und Gespür dafür, was real umsetzbar ist. Kriege, neue Unsicherheiten, die strapazierte Umwelt stellen Weichen radikal neu. Umso mehr kommt es auf wirkungsvolle Arbeit an.
Was liest Du derzeit?
Neben Rechercheliteratur für mein nächstes Buch über die Karawanken lese ich immer mehreres gleichzeitig: Kate Crawford („Atlas der KI“), Hans-Markus Gauss („Schuldhafte Ungewissheit“), Andrej Rahten („Der Tod des Thronfolgers“), viel Historisches, aber auch Krimis, lieber sog. harte Kost als Weichgespültes. Jeden Freitag Wanderkarten, denn zu allen Jahreszeiten bin ich in Bergen unterwegs.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Als Sacrecoeuse in Wien erzogen: „Nichts blockiert den Geist Gottes mehr als ein Leben in Trägheit“ (Madeleine Sophie Barat) bedeutet für mich, sich immer wieder, nach Krankheit, Rückschlägen, Unfällen, aufraffen, voll Tatkraft und Humor, allen Widrigkeiten zum Trotz (nach meinem Lehrer Otto Schenk/Uni Wien/Theaterwiss.) und selbst meine ich: Etwas geht immer, Schritt für Schritt ,-)

Vielen Dank für das Interview, liebe Tatjana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Tatjana Gregoritsch, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Tatjana Gregoritsch, aufgewachsen im Zentrum Wiens und in Kärnten. Studium Wien, Helsinki (Medien-, Film- und Theaterwissenschaften, Skandinavistik, Finno-Ugristik, Germanistik/ Fächerkombination, Wirtschaftsuniversität Wien/ postgraduate Lehrgang für Werbung und Verkauf (Mag. phil., akad. geprüfte Werbekauffrau). Kulturreferentin in Finnland (Diplomarbeit zum skandinavischen Film). Tätig in Verlagen, Werbung und in der IT. Eigene Agenturgründung „Empower“.. Längere berufliche Auslandsaufenthalte ua. in Finnland, Deutschland und England. Lebt seit 2006 in Kärnten und Wien, schreibt Prosa und Lyrik, betreibt Bergsport und fotografiert.
Veröffentlichte Sachbücher, Beiträge in Anthologien, regelmäßige Zeitungskolumne. 2020 Krimi Verschwunden im Meerauge, Hermagoras, Klagenfurt und Erzählband Fest am Land, Löcker, Wien. 2023 Lili Novy. Durch die Zeit/Skozi čas (zweisprachige Monographie über die in Slowenien berühmte Altösterreicherin, Autorin und Netzwerkerin ihrer Zeit).
2024 Brandalarm. Ein mörderisches Frauentrio. Krimi. Hermagoras, Klagenfurt, nach dem authentischen Kriminalfall „Hexentrio“ in Kärnten.
Demnächst erscheint bei Löcker, Wien: Samotans Leiche. Roman, Einem Mann holt um das Jahr 2000 seine Vergangenheit ein, Zeitgeschichte (russische Besatzung in Wien, Ostarbeiterinnen in Kärnten).
Mitglied PEN Club Austria, IG Autoren, Kärntner SchriftstellerInnenverband.
Homepage: Tatjana Gregoritsch – Bücher, Photos, Texte, Lyrik und Bilder – Schreiben
Aktueller Roman von Tatjana Gregoritsch:

Zum Roman: Tatjana Gregoritsch – Bücher, Photos, Texte, Lyrik und Bilder – Schreiben
Fotos: Portrait _ Tatjana Gregoritsch _ Ingrid Bolesch; Cover _ Verlag.
3.3.2026_Interview_Walter Pobaschnig