„dass die unheilbar kranken Männer keine Macht mehr erhalten“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Daniela Flickentanz, Singer-Songwriter _ Weppersdorf/Bgld. 6.3.2026

Daniela Flickentanz _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Daniela Flickentanz, Singer-Songwriter, Künstlerin

Liebe Daniela, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Singen, Schreiben und Sprechen sind sehr machtvolle Instrumente. Die eigene Wahrheit auszudrücken kostet sehr viel Mut, Kraft, Einsicht, Ehrlichkeit und Bewusstheit. Es bedeutet in vielen Situationen auch, einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Für manche Menschen (meist Männer) ist es eine Provokation, wenn man sich als Frau eigenständig äussert und auch Raum mit der Sprache und Stimme einnimmt. Da war Ingeborg Bachmann bestimmt eine Vorreitern. Sie hat ihrer eigenen Wahrnehmung vertraut und ihre Wahrheit ausgedrückt. Dadurch erscheint ihr Werk ehrlich und eigenständig, was für mich die Kraft darin ausmacht.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihr Schreiben berührt tief, es ist einfach aber nicht banal und es ist für mich zeitlos. Und das hat eine sanfte Kraft, die sehr viel bewegt hat und auch immer noch bewegt. Und damit den Tod der Autorin überdauert.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Nein. Jede Veröffentlichung steht für sich.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich denke, wir müssen die Errungenschaften der feministischen Bewegung erhalten. Dafür weiterarbeiten und verteidigen, dass alle Frauen auf der Welt in Sicherheit, Freude, Selbstbestimmtheit und Friede leben können. Gemeinschaft und Frauenfreundschaften können hilfreich sein. Und ich stelle mir vor (und wünsche mir), dass diese Gemeinschaft irgendwann so groß und stark ist, dass die unheilbar kranken Männer keine Macht mehr erhalten und daher auch keinen Schaden mehr anrichten können.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Ihr Zugang hält uns unweigerlich den Spiegel vors Gesicht: Sie behandelt die Unfähigkeit zu nährenden Beziehungen, Krieg, die Suche nach dem Frau sein und den Tod. Dem Unausgeschöpftsein in unserer Emotionalität. NS-Zeit gleichend einem Fiebertraum, bzw. die Krankheit der jeweiligen Abschnitte. So wie zeitweise die aktuellen Nachrichten sich wie ein Fiebertraum anfühlen. „Das darf doch nicht wahr sein.“ Doch. Ist es leider. Die Welt ist immer noch krank und es ist unsere Aufgabe, sie zu heilen und eine andere Richtung einzuschlagen.

Wir müssen schreiben, um die Wahrheit zu erhalten und auszudrücken. Die aktuellsten Methoden der Propaganda bzw. Zensur finden ja auch viel im digitalen Raum statt.

Eine Freundin sagte letztens „die KI kann dann ja später auch die Geschichte verändern. Was ist, wenn es dann auf einmal keinen zweiten Weltkrieg mehr gab. Und alles in Vergessenheit geraten ist.“ Deswegen müssen wir schreiben. Auf Papier, in Bücher. In Briefe. Und wir müssen lesen, was geschrieben wurde.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ein gemeinsamer Tag am Weissensee in den stillen, heissen Tagen im August. Den würde ich gerne mit ihr verbringen. Gemeinsam am Steg sitzen und aufs Wasser schauen, gemeinsam reflektieren. Ich würde gerne etwas entstehen lassen und gemeinsam einen Tag erleben.

Ich würde Ingeborg Bachmann einfach gerne DANKE sagen. Dass sie ein Vorbild ist. Eine Frau, die sich in einer patriarchal geprägten Welt geäussert hat und so viel bewegt hat mit ihrer Stimme. Ich würde viel zuhören und schauen, was von ihr kommt. Und würde wohl auch fragen, wie sie es geschafft hat, ihre eigene Stimme so zu kultivieren und aus sich herauszubringen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Am 08.03.2026 erscheint eine neue Single. Es geht darum, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und das Lied ist eine Befreiung von Autoritäten, sowie toxischen und ungesunden Mustern. Mehr dazu gibt es bald.

Derzeit spiele ich so oft es geht live, damit immer mehr Menschen Flickentanz kennenlernen und Freude an meiner Musik haben können und ich mir meine Fanbase weiter erarbeiten kann. Ich spiele sowohl herkömmliche Konzerte, als auch auch in Pflegezentren und bei den Wiener Linien U-Bahn-Stars. Des Weiteren habe ich ein Special mit dem Speaker Markus Warscher, wo wir das Tabu rund um psychische Erkrankungen aufbrechen. Es sind mittlerweile 100 Auftritte die ich im Jahr spiele, ich manage und promote mich selbst. Daher gehe ich auch das Thema körperliche Fitness und mentale Balance intensiv an, um weiterhin gesund mein 15-30kg schweres Tourgepäck transportieren zu können und in meiner Kraft zu bleiben. Meine Reisen bewältige ich ja alle öffentlich und die Branche ist nicht einfach.

Ich wünsche mir, dass es so weiter geht und die Radio-Einsätze meiner Lieder sich vermehren, damit mehr Menschen Zugang zu meiner Musik finden können. Außerdem sind Radioeinsätze in den Radios neben live spielen noch eine der wenigen Möglichkeiten, mit Musik machen Geld zu verdienen.

Und für meine Malerei möchte ich mir 2026 auch wieder mehr Zeit nehmen an den spielfreien Tagen.

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?

Auch auf die Gefahr hin, dass es abgedroschen ist: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Denn erst, wenn wir die Wahrheit anerkennen, wissen wir, was zu tun ist.

Herzlichen Dank für das Interview!

Daniela Flickentanz, Singer-Songwriter, Künstlerin

Daniela Flickentanz https://www.flickentanz.at/

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Daniela Flickentanz _ Carina Antl

Walter Pobaschnig   10.2.2026

https://literaturoutdoors.com

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