Lieber Hans-Gerd, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich bin morgens möglichst früh am Schreibtisch, um möglichst früh wieder weg zu sein – was meistens nicht klappt. Ärgert mich dann immer, und ich nehme mir vor, es künftig klüger anzugehen: Erst ein bisschen Yoga oder eine Runde mit dem Hund, dann Schreibarbeit, dann wieder ein bisschen Bewegung, gefolgt von noch mehr Schreibarbeit. – Manchmal klappt das, meistens nicht.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was zu allen Zeiten wichtig war: empfänglich zu bleiben für das eigene Glück, ohne gleichgültig gegenüber dem Unglück anderer zu werden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Braucht die Kunst eine Rolle? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich finde, sie soll sich frei bewegen dürfen, um neue Perspektiven zu entwickeln. Wenn sie dann einen gesellschaftlichen oder persönlichen Nutzen hat, schön. Wenn nicht, auch gut. Außerdem hat es den Aufbruch, vor dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen, zu allen Zeiten gegeben, weil wir uns als Menschen und als Gesellschaft ständig bewegen – ob nun nach vorn oder zurück, mag jede und jeder für sich selbst entscheiden. Die Kunst hat uns dabei schon immer dabei begleitet und wird es höchstwahrscheinlich auch weiterhin tun.
Was liest Du derzeit?
„ …trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl (ein Klassiker, der schon länger auf meiner Liste stand) und „Pompeji oder die fünf Reden des Jowna“ von Eugen Ruge (weil Pompeji auch schon länger auf meiner Liste stand)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Zitat, das Anthony Hopkins zugeschrieben wird. Es lautet: „Keiner von uns kommt hier lebend raus. Also hört auf, euch wie Andenken zu behandeln. Esst leckeres Essen. Spaziert in der Sonne. Springt ins Meer. Sagt die Wahrheit und tragt euer Herz auf der Zunge. Seid albern. Seid freundlich. Seid komisch. Für nichts anderes ist Zeit.“
Vielen Dank für das Interview, lieber Hans-Gerd, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Hans Gerd Raeth, Schriftsteller
Zur Person/über mich: Hans Gerd Raeth, Jahrgang 1965, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie. Er lebt als freier Autor und Drehbuchautor mit seiner Familie in Berlin und wundert sich schon länger, dass auch in seinem Leben längst Freitag ist. (Pressetext, dtv Verlag)
Aktueller Roman: Hans-Gerd Raeth _ Wir Freitagsmänner Wer wird denn gleich alt werden? – Roman.dtv Verlag

Erscheinungsdatum: 26.02.2026
1. Auflage _ 288 Seiten
ISBN : 978-3-423-28545-2
EUR 23,00 [DE] – EUR 23,70 [AT]
Format : 12,8 x 21,0 cm
Sprache: Deutsch
https://www.dtv.de/buch/wir-freitagsmaenner-28545
Fotos: Autorportrait_Alan_Ovaska; Cover _ Verlag.
16.2.2026_Interview_Walter Pobaschnig