„Ihre Gedichte eröffneten mir eine neue Welt in der neuen Welt.“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin _ Berlin 3.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Slavica Klimkowsky

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin

Liebe Slavica, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Nachdem ich Ende der siebziger Jahre ein paar ihrer Gedichte gelesen habe, wollte ich alles über die Schriftstellerin und ihr Werk erfahren. Da lebte ich seit kurzer Zeit in Berlin (kam im Herbst 1978 aus dem ehem. Jugoslawien) und studierte Medizin an der Freien Universität. Die Gedichte, so tiefsinnig und voller Energie, eröffneten mir eine neue Welt in der neuen Welt.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Die Schwere der existentiellen Last der Frau und die Suche nach weiblicher Subjektivität, Stimme, Identität und persönlicher Wahrheit. Ingeborg Bachmann war eine faszinierende Persönlichkeit und authentische literarische Stimme der Zeit, eine linguistische Schöpferin, fleißig und klug.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Malina“, ihr erster und einziger Roman, der mich tief berührt hat, 1. Teil einer Trilogie, die sie nicht vollenden konnte.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Doch hat sie mit ihren Gedichten Anfang der fünfziger Jahre, vom patriarchal geprägtem Literaturbetrieb, viel Aufmerksamkeit erfahren. Nach ihrer intensiven, fast zwei Jahrzehnte langen Auseinandersetzung mit der Kunst, der Welt und der Kritik an eben dieser, wird sie, in der nach wie vor patriarchal dominierten Literaturwelt, ins Abseits gedrängt. Sachverhalte erkennen und sie beim Namen nennen, kam nicht gut an. Dennoch war/ist es wichtig – damals wie heute! Dafür wurde sie von ihren Leserinnen und Lesern verehrt.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Dass das Schreiben von literarischen Werken eine einsame Tätigkeit ist, wissen wir alle. Aber wenn der persönliche Anspruch und die Forderungen an die Kunst/Dichtung immer mehr „hochgeschraubt“ werden, mit jedem neuen Werk noch besser, noch präziser zu sein, kann die Arbeit zu einem „Martyrium“ werden. Manchmal ist es aber auch die Unzulänglichkeit der Sprache, die Qualen bereitet und eine/n Schriftsteller*in zur Verzweiflung bringen oder zum Schweigen verdammen kann.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie gern ich sie gelesen habe und immer noch lese.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aktuell arbeite ich an der Endfassung meines Lyrikbandes „Inselschimmer“, erscheint im Sommer 2026

Herzlichen Dank für das Interview!

Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin

Slavica Klimkowsky, lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Literaturvermittlerin in Berlin, vielfach ausgezeichnet sowohl für ihre Literatur in Einfacher Sprache als auch ihre Kurzprosa und Lyrik, beschäftigt sich in ihren Texten mit der Komplexität menschlicher Charaktere und Lebenswege. Seit ihren Studientagen schreibt sie Rezensionen, Essays, Lyrik  und Kurzprosa und veröffentlicht in Anthologien.

Sie ist Herausgeberin zweier Anthologien und Co-Autorin zweier Mosaik-Romane. Slavica Klimkowsky arbeitet gern mit internationalen Kolleg*innen zusammen an Projekten, die verschiedene Sprachen und Kulturen zusammen bringen.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Slavica Klimkowsky: Margherita de Benetti.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

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