Erinnerung an Barbara Frischmuth _ „Sie probierte immer wieder was Anderes, Neues“ Sabine Scholl, Schriftstellerin _ Berlin 4.4.2025

Erinnerung anBarbara Frischmuth, Schriftstellerin  *5.7.1941 Altaussee   +30.3.2025 Altaussee

Interview _  Sabine Scholl, Schriftstellerin

Liebe Sabine, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?

Wir saßen nebeneinander, waren zu „Literatur im Herbst“ eingeladen. Ich lebte in Chicago. Sie erzählte unter anderem von der vielen Fanpost, die sie bekam und dass sie es niemals schaffen könne, alle Zuschriften zu lesen und zu beantworten. Ich war beeindruckt von dieser Popularität. Später moderierte sie ein Gespräch mit Assia Djebar und obwohl ich deren Bücher gelesen hatte, wurde mir während Djebars Vortrag deutlich, wie sehr die algerisch-französische Autorin mit oralen Traditionen von Berber-Frauen arbeitete. Es war augen- und ohrenöffnend, unvergessen. Frischmuths Engagement für Literatur anderer Kulturen war bedeutsam. Sie hielt auch die Laudatio für Djebar, als diese den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekam.

Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?

Während meiner Schulzeit faszinierten mich ihre Romane mit fantastischen Anklängen. So wollte ich schreiben, tat es aber nie. Frischmuth blickte über Grenzen hinaus und brachte Fremdes herein. Immer plädierte sie für den Austausch von Kulturen, von Sprachen, von Literaturen und sogar von Religionen. Ich verließ den deutschen Sprachraum bald, sie blieb und wurde Lieblingsautorin meiner Mutter, die sie auch wegen ihrer Leidenschaft für Gärten und ihrer Pflanzenkenntnis mochte. Sicherlich bekam Frischmuth dafür noch sehr viel mehr Fanpost, denn auch Gärten sind ein verbindendes Element über Kulturen und Grenzen hinweg. Barbara Frischmuth verfasste im Laufe der Jahrzehnte außerdem ein vielfältiges Werk in verschiedenen Genres, das ist eher unüblich für die österreichische Literatur. Sie blieb nicht bei dem einen, einmal entwickelten Modell, sondern probierte immer wieder was Anderes, Neues. Vielleicht ist es diese Offenheit, in der ich mich erkennen kann?

Vielen Dank für das Interview!

Barbara Frischmuth, Schriftstellerin 
*5.7.1941 Altaussee   +30.3.2025 Altaussee

Barbara Frischmuth, Schriftstellerin

geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025).    Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth  31.3.2025

Sabine Scholl, Schriftstellerin

Zur Person: http://sabinescholl.com/

Fotos_

Portrait Barbara Frischmuth: Franz Johann Morgenbesser

Foto_ Portrait: Sabine Scholl _ privat

Walter Pobaschnig 3.4.2025

https://literaturoutdoors.com

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