
Liebe Manuela Dumfart, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Gleich nach dem Aufwachen lasse ich unseren Kater Felix herein, der in der Nacht immer draußen sein darf (wenn kein Sturm ist und es noch nicht zu kalt ist) und füttere ihn, wir haben ihn 2017 vom Tierheim geholt, schwer traumatisiert, von Angst gezeichnet. 4 Wochen hatte er sich nur im Keller versteckt. Dann hat er angefangen Vertrauen zu fassen, wir haben ihm dafür alle Zeit und alle Distanz gelassen, die er dafür gebraucht hat. Er hat sich im Laufe der Zeit aber wirklich prächtig entwickelt, mittlerweile plaudert er die ganze Zeit munter drauf los, läuft mir nach und fühlt sich mittlerweile ganz sicher, er hat seine Angst und Besorgtheit nahezu ganz ablegen können. Er hat überhaupt eine so wunderschöne Persönlichkeit, so ganz transparent, man kann ganz klar an seiner Mimik sehen, was er denkt und fühlt, noch bevor er anfängt zu kommunizieren, das ist sehr schön und sehr lieb auch.
Nach dieser morgendlichen Routine frühstücke ich ordentlich und widme ich mich meinen künstlerischen Aufgaben.
Ich probe gerade intensiv für kommende Konzerte diverse Programme (und Messen) und organisiere außerdem gerade ein Konzert im Brucknerhaus Linz. Da fällt auch viel Organisatorisches an, da ist wirklich viel zu tun, gerade feilen wir da und dort noch ein bisschen am Programm, das Grundgerüst steht aber natürlich soweit.
Abends laufe ich dann noch, um meine Atemtechnik (das ist für sehr lange Phrasen notwendig) stabil zu halten, das mache ich seit vielen, vielen Jahren, mittlerweile ist es auch weniger laufen als vielmehr nur mehr ein sehr schnelles gehen (ist besser für die Gelenke), da der kontrollierte Einsatz meiner Atmung beim Singen ohnehin sehr stabil und auch sehr leistungsfähig geworden ist über die vielen Jahre hinweg.
So um 22.30 lese ich dann noch ein bisschen oder schaue kurz eine Serie.
Dann gehe ich schlafen.
Gut schlafen, gut essen, gut und sehr diszipliniert und konsequent trainieren, das ist im Grunde das Wichtigste. An Tagen, an denen ich Konzert habe, gibt es den ganzen Tag allerdings nur die Konzentration auf das Konzert und dann das Konzert.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich möchte diese Frage mit einer kurzen Geschichte und einem Bild beantworten:
Als kleines Mädchen, wenn dichter Nebel war und keine Sonne zu sehen, habe ich mich immer auf den Weg gemacht und bin hochgegangen, um genau diesen Punkt (wie am Bild zu sehen, wie die Sonne durch den Nebel bricht, der Nebel sich lichtet) zu suchen.

Ich habe dieses Bild geliebt und den Gedanken, dass die Sonne scheint, auch wenn man sie vor lauter Nebel grad nicht sehen kann.
Ich denke, man darf auch in schwierigen, in Krisenzeiten den Mut nicht verlieren, die Hoffnung nicht aufgeben, sie ist manchmal alles was bleibt…
Und irgendwann geht´s dann auch wieder bergauf, wird es wieder heller……
Und: Aufeinander schauen:
Noch ein kleines Gedankenexperiment:
Wenn jeder, und ich meine: wirklich jeder! ein bisschen auf seinen Nächsten schaut, meinetwegen wirklich auf nur eine Person, den Nächsten z.B. so gut er halt kann und nach seinen Möglichkeiten, aber mit bestem Wissen und Gewissen, wenn jeder das tut, dann sollten wir und zwar wir alle durch aktuelle Krisen durchkommen, und wenn es auch nur ein durchschlingern ist, aber wir kommen durch.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Kunst in einer Sprache spricht, die über Worte hinaus geht. Sie hat die Kraft, zu berühren und zu bewegen, ist kostbar und verdient es, geschützt zu werden. Z.B. geschützt vor den Schattenseiten der eigenen Branche. Machtmissbrauch in seinen vielen grausamen Spielarten, all die Ungerechtigkeiten, das Unrecht, das gilt es zu bekämpfen, bzw.
Kämpfen für eine Kunstwelt ohne all diese hässlichen Begleiterscheinungen.
Und eine gerechtere Verteilung innerhalb der Kunstwelt könnte viel Gutes bewirken, denke ich.
Was liest Du derzeit?
Quiet: The Power of Introverts in a World that can´t stop talking. von Susan Cain.
Und: She said.
Das ist ein großartiges Buch, das erzählt, was es wirklich bedeutet, einen derartigen Fall aufzudecken.
Für die Aufdecker aber auch für die Opfer/Betroffenen.
Wenn man solche Geschichten liest, ist es für die Leser,…vielleicht nur eine Geschichte, für Betroffene/Opfer ist es aber ihr Leben und nachher ist nichts mehr, wie es vorher einmal war.
Da hab ich auch den Film darüber gesehen, zweimal sogar und die beigefügten Interviews der Aufdeckerinnen.
Mich hat mich sehr berührt, was sie gesagt haben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich mag Metaphern und Zitate:
Eines meiner Lieblingszitate ist (Autor unbekannt) :
„Wenn ich Dir sage, dass du alles zurückbekommst, was du anderen gibst, bist du dann erleichtert oder hast du Angst?“
Dieses Zitat ist für mich ein faszinierendes, weil tiefgründiges Gedankenexperiment gleich einem moralischen Kompass im Umgang mit anderen.
Es lädt uns ein, über die Konsequenzen unseres Handelns nachzudenken, unser Verhalten zu reflektieren, indem wir uns fragen, wie es uns selbst mit den Konsequenzen unseres Handels ginge, würden sie, gleich einem Bumerang, zu uns zurückkehren.
Vielen Dank!

Vielen Dank für das Interview, liebe Manuela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen: Manuela Dumfart, Sopranistin
Zur Person/über mich: Die oberösterreichische Sopranistin Manuela Dumfart hat an der Anton Bruckner Privatuniversität bei Thomas Kerbl in Linz und am Mozarteum Salzburg „Master Oper und Musiktheater“ bei Prof. Ingrid Mayr, Prof. Josef Wallnig und Kammersängerin Prof. Barbara Bonney studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen.
Engagements führten Manuela Dumfart nach Zürich, Berlin, Japan, an das Opernhaus
Peking, zu den Tiroler Festspielen Erl, an das Brucknerhaus Linz, an das Theater
Wolfsburg, Theater Rüsselsheim, Landestheater Linz, Stadttheater Bad Hall, Stadttheater
Gmunden, Stadttheater Wels, Stadttheater Steyr, Theater Wil und viele mehr.
Unter anderem als Donna Elvira in Don Giovanni, als Contessa in Le nozze di Figaro, als
Arminda in La finta Giardiniera, als Elisabeth in Tannhäuser, Eva in Die Meistersinger, 3.
Norn in Götterdämmerung, als Helmwige in Die Walküre, als Blumenmädchen in Parsifal,
als Despina und Dorabella in Cosi fan tutte und viele mehr
Die Produktion von Le nozze di Figaro, in der sie die Contessa mit großem Erfolg bei
Publikum und Presse sang, wurde mit dem Inthega-Musiktheater-Publikumspreis für die
beste Theatergastspielaufführung in ganz Deutschland ausgezeichnet.
Manuela Dumfart war eine von zwei international ausgewählten Sopranen bei einer
Masterclass mit anschließendem Konzert mit Maestro Fabio Luisi in Frankreich, wo sie
beim Abschlusskonzert die Donna Elvira in Don Giovanni und die Despina in Così fan
tutte sang.
Dumfart ist, abgesehen von ihren Opernengagements, auch eine gefragte
Konzertsängerin, ihre Konzerte führen sie nach Japan, China, Deutschland und in die
Schweiz.
Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie auch mit der Filmemacherin Martina
Hechenberger und mit Ali Nikrang (Orchester) – sie „verfilmen“ bekannte Opernstücke um
sie dann zu veröffentlichen.
2017/2018 hat sie die weibliche Hauptrolle im Kunstfilm “Sehn.Sucht” nach einer
literarischen Vorlage von „Ich und Er“ gespielt, der von Martina Hechenberger
MinaPictures produziert und von ihr auch Regie geführt wurde. Der Film wurde auf
diversen Filmfestivals in den Kinos gespielt, unter anderem beim Internationalen
Filmfestival in New York. Er war auch für das internationale Filmfestifal ARFF Barcelona
nomiert.
Im Dezember 2022 veröffentlichte Dumfart eine symphonische/OpernCoverversion
(musikalische Leitung Ali Nikrang) des Protestliedes „Baraye“ von Shervin Hajipour um
ihre Solidarität mit den mutigen, protestierenden Frauen und Männern im Iran
auszudrücken, das Ars Electronica Center Linz zeigte den Protestslogan „Women, Life,
Freedom“ am Gebäude. Das Video wurde auch in den unabhängigen iranischen Medien „Iran international“ gezeigt.
Dumfart setzt sich immer wieder für Menschen- und Frauenrechte und gegen
Machmissbrauch ein
http://www.manueladumfart.com/Enter.html
Fotos: 1&3 Shirley Suarez; 2 privat; 4 Martina Hechenberger.
Walter Pobaschnig 11.12.2024