
Station bei Falco _ acting Jeanny _
Wien _28.1_24
























































































































Station bei Falco_acting Jeanny _
Wien _28.1_24

(* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Theresa Mikesch, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)?
Um ehrlich zu sein gar keine direkten – leider. Er ist vor genau 30 Jahren in Wiener Neustadt mit “Falco Symphonic” am Domplatz aufgetreten – da war ich gerade einmal ein Jahr alt. Seine Musik kann man einen Bezugspunkt nennen, da ich sie eigentlich mein halbes Leben lang gehört und geliebt habe und einmal habe ich einen Typen, so glaube ich, hauptsächlich deswegen gedatet und hot gefunden, weil er so gesprochen hat wie Falco. Im Nachhinein glaube ich, dass ich nur noch nie einen Wiener gedatet hatte und dass er durch das Wienerische so Falco-like für mich geklungen hat – nichts weiter.
Was macht für Dich den Künstler Falco aus?
Er hat sich etwas getraut und hat sein Konzept mit voller Kraft durchgezogen. Er hat einen Star erschaffen, hat den Leuten etwas zu reden gegeben durch seine extreme Art und war immer ein bisschen over the top, was es bedarf, um gut verkauft zu werden.
Gibt es Lieblingssongs?
“Emotional”. Mir gefallen wirklich viele Lieder sehr gut und ich höre viele auch öfter als “Emotional”, aber ich finde, dass “Emotional” etwas Besonderes hat – es spricht aus der Seele, hat etwas Echtes.

Wien ist geprägt von Falcos größten beruflichen Erfolgen und privatem Glück wie auch den Schattenseiten beider. Wie siehst Du den Künstler und Menschen Falco?
Der Künstler war grandios. Das, was er geschaffen, erdacht und auf der Bühne und im Fernsehen gelebt hat, ist – und das braucht man eigentlich nicht extra zu sagen – hochkarätig. Das Konzept des Künstlers ist spannend und gleichzeitig authentisch und ist beim Publikum gerade deswegen gut angekommen. Zudem bot seine Musik einen guten Kontrast zu den Beatles und zu ABBA.
Den Menschen Hans sehe ich zwiespältig. Einerseits tut er mir leid, weil ich glaube, dass er unter sehr großem Druck stand und das, was er sich erarbeitete und erleben durfte, schwer verarbeiten konnte. Es war einfach zu viel und ich glaube auch, dass ihn das zu einem manchmal sehr unguten Mitbürger gemacht hat, der auf das reduziert nicht immer die Liebe seiner Fans verdient hätte. Ich bevorzuge einfach ausgeglichene, wertschätzende und freundliche Menschen und gönne jenen den Erfolg mehr. Andererseits hat er sein emotionales Potenzial und seinen Realismus dazu genutzt, um Erfolg zu schaffen und davor ziehe ich meinen Hut.
Aber da ich ihn nicht persönlich kannte, sollte man auf meine Einschätzung wenig Gewicht legen. Ich gebe normalerweise nur ungern ein Urteil über Leute ab, bevor ich sie persönlich näher kennengelernt habe.

Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen künstlerisch und persönlich um?
Künstlerisch rufe ich alle damit verbundenen Emotionen und Erinnerungen gesondert ab, und bringe sie wiederum die Thematik betreffend gesondert zum Vorschein. Das Leben macht einen schließlich zum besten Schauspieler – zumindest meiner These nach.
Aus persönlicher Sicht mache ich Sport. Er schenkt mir die Möglichkeit alle diese Themen zu verarbeiten, bietet Zeit zu reflektieren und durch ihn kann ich überschüssige Emotionen freisetzen. Egal ob es um positive oder negative Themen geht, ich gehe dafür entweder inlineskaten, langlaufen oder einfach spazieren.

Das Thema unseres Shootings ist der Falco Song „Jeanny“ (1985). Der Song stürmte die Charts. Welche Zugänge hast Du zu „Jeanny“?
Es ist ein super Lied. Musikalisch mitreißend und leider zu sehr umstritten – so umstritten mit all dem künstlich erschaffenen Drama, der übermäßigen Interpretation und dem darauffolgenden Medienhype, dass ich selbst ein paar Bedenken zwecks Außenmeinungen und Kommentaren auf dieses Shooting-Thema hatte. Schlimm eigentlich, wie hart auch unsere Generation mit Kunst ins Gericht geht und versucht zu zensieren, was wirklich brillant ist. “Jeanny” ist einfach ein Lied, das einen problematischen Stoff behandelt – kein Grund den Künstler dafür zu verurteilen, dass er einen hässlichen Aspekt unserer Welt aufzeigt.

Wie hast Du Dich auf das Shooting vorbereitet?
Kaum – aus Zeitgründen – aber ich habe beim Weg nach Wien exklusiv das Lied “Jeanny” immer und immer wieder gehört, um mich darauf einzustimmen. Das Lied kann ich sowieso auswendig, einfach weil ich es oft gehört habe, und am Vortag habe ich mir die Kostüme von unserem (Theater im Neukloster) Theaterfundus besorgt und mir das Musikvideo des Öfteren angeschaut, um diverse Posen und Blicke übernehmen zu können.

Du bist Schauspielerin, Sängerin. Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?
Unter anderem – ja. Ich glaube, wenn er mich gefragt hätte, wäre ich bei jedem seiner Projekte dabei gewesen. Natürlich wäre es für mich das Highlight gewesen bei einem seiner Musikvideos einen Charakter spielen zu dürfen. Ich glaube auch, dass wir uns ganz gut verstanden hätten und eine gute Zeit während der Dreharbeiten gehabt hätten.

Es ist ein großartiger Style, wie Make-up, in wunderbarer Variation, die Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?
Danke, danke! Mir bedeuten Mode und Style sehr viel. Wie sich Menschen anziehen gibt viel Aufschluss darüber, wie sie sich gerade fühlen oder wie sie selbst gerne in dem Moment gesehen werden möchten. Über die Mode und den Style kann man außerdem das allgemeine Stilbewusstsein und diverse Interessen wie auch Prioritäten ablesen.
Ich bin zum Beispiel kein Fan von Marken – die Logos stören meiner Meinung nach den Look und wenn ich schon für etwas bezahle, will ich nicht damit gebrandet sein. Ebenso gehe ich nie nach der Mode – ich ziehe nur an, was mir gefällt und was ich für schön erachte.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Im Februar trete ich tatsächlich mit einem Falco-Medley im Rahmen eines Charity-Events auf und das Theater im Neukloster bringt ab Mai das Musical “The Addams Family” von Andrew Lippa auf die Bühne. Alle weiteren Projekte 2024 dürfen noch nicht öffentlich kommuniziert werden.

https://www.theaterimneukloster.at/

Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?
Dass er bei seinen Interviews und Auftritten authentisch in seiner Rolle “Falco” war und seinem eigenen künstlerischen Selbstbild stets auch musikalisch treu geblieben ist. Er hat, meiner Meinung nach, immer in erster Linie auf sich selbst gehört und ist nur dann, wenn es zwingend notwendig war, Kompromisse eingegangen.

Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Justice
Enables
Anonymous
Nobody
Nuturing
Youthfulness

Station bei Falco _ acting Jeanny _
Wien _28.1_24

Mercure Grand Hotel Biedermeier Wien
Vielen Dank, liebe Theresa, für Deine Zeit in Wort und Bild bei Falco, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!
Theresa Mikesch, Schauspielerin. Model, Sängerin_ Station bei Falco _ acting Jeanny _ Wien _28.1_24

Alle Fotos&Interview Walter Pobaschnig, 1_24