Station bei Callas _ „Disziplin, Hingabe, den starken Willen und den Mut zum Risiko“ Elisabeth Halikiopoulos, Schauspielerin _Wien 19.11.2023

Elisabeth Halikiopoulos, Schauspielerin, Regisseurin, Wien _
acting Maria Callas _
100.Geburtstag Maria Callas, Sängerin  

* 2.Dezember 1923 New York City +16.September 1977 Paris.
Elisabeth Halikiopoulos, Schauspielerin, Regisseurin, Wien _
acting Maria Callas _
100.Geburtstag Maria Callas, Sängerin  

* 2.Dezember 1923 New York City +16.September 1977 Paris.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Elisabeth Halikiopoulos, welche Bezüge gibt es von Dir zu Maria Callas?

An dieser Künstlerin kommt man nicht vorbei. Irgendwann im Leben trifft man auf die eine oder andere Weise auf sie. Als ich das erste Mal eine Aufnahme von ihr gehört habe, dachte ich nur: „Wahnsinn, so eine Stimme habe ich noch nie gehört!“ So viel Emotion, die da mitschwingt. So ein Gefühl von Gänsehaut hatte ich selten. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Meine Schwester, Ellen Halikiopoulos, ist klassische Sängerin und so haben wir natürlich auch immer wieder über die Callas gesprochen und – sie ist Griechin!

Was machte für Dich die Aura der „Callas“ aus?

Da ist soviel Kraft, Wille, Temperament, aber auch Empfindsamkeit und Gefühl, das da brodelt. Aber alles unter dieser Oberfläche von Eleganz, Präzision und „Geführtheit“. Sie weiß genau, was sie tut. Das vermittelt mir ein Gefühl von Erhabenheit. Eine Frau, die genau weiß, was sie will. Und sie hat die Fähigkeit, alle diese tiefen Emotionen, zu denen sie fähig ist, künstlerisch ungefiltert zum Ausdruck zu bringen.

Gibt es ein bestimmtes Musikstück, das Du hervorheben möchtest und warum?

Die Szene aus dem Film Philadelphia mit Tom Hanks ist berühmt. Er kommentiert die Arie La mamma morta der Maddalena aus der Oper Andrea Chénier. Wie die Callas diese Arie singt ist unvergleichlich. Das ist für mich Gänsehaut pur und eine unglaubliche Reise von Verzweiflung und Schmerz zu Hoffnung, wie ich sie so von keiner anderen Sängerin gehört habe. An diese Aufnahme muss ich, wie viele andere wahrscheinlich auch, immer zuerst denken, wenn ich den Namen Maria Callas höre.

Dennoch möchte ich, wenn auch ebenso auf der Hand liegend, da es sich quasi um ihre „Signatur-Arie“ handelt, Casta Diva nennen. Einerseits, weil sie es großartig singt, aber auch, weil ich es so beeindruckend finde, wie sie bei dem Konzert 1958 in Paris auf der Bühne steht – alleine in der Mitte der Bühne, fast unbeweglich, um sie herum der Chor – und ohne auch nur einen Ton zu singen füllt sie den gesamten Saal nur mit ihrem Blick, der so viel erzählt, und ihrer  Präsenz. Und die Arie ist ein Gebet der Priesterin Norma an die Mondgöttin, in dem sie sie um Frieden bittet – den braucht die Welt gerade sehr dringend!

Wie siehst Du Maria Callas in ihrem künstlerischen Weg, ihrer Entwicklung?

Ich bin keine klassische Sängerin und weiß zu wenig von der Technik, als das ich mir da ein Urteil erlauben würde. Und ich kenne ihren gesamten Werdegang zu wenig. Aber in ihren Interviews spricht sie selbst über ihre Entwicklung und das jede Rolle mit ihr gewachsen ist und sich im Laufe der Zeit mit ihr verändert hat. Das finde ich bewundernswert an ihr. Die Suche nach der Wahrhaftigkeit des Augenblicks. Und ihren Anspruch, stets das Beste zu geben und ihr Handwerk absolut zu beherrschen.

Maria Callas und die Liebe. Kunst und Leben. Wie siehst Du ihren Lebensweg?

Sie musste schon sehr früh hart arbeiten, das prägt bestimmt. Sie hatte große Ziele, die sie auch erreicht hat. Nicht ohne Hindernisse. Aber die Liebe…Ihre Beziehung zu Onassis hat sie aufblühen lassen und ihr die Pause und Leichtigkeit geschenkt, nach der sie sich wohl gesehnt hat, sie aber auch tief gekränkt. Sie wollte ihn unbedingt heiraten, er heiratet dann stattdessen Jackie Kennedy und sie erfährt es aus der Zeitung…Und leider hat sie während der Beziehung mit ihm immer weniger gearbeitet und gesungen, da er das, wie sie sagt, nicht wollte. Da hat die Liebe die Kunst beeinflusst. Und wahrscheinlich nicht im Besten Sinne…

Eine Frau, die ihr Leben der Kunst gewidmet hat, Maßstäbe setzte, Triumphe feierte, aber auch viel aushalten und einstecken musste, dabei aber nie ihre Würde und ihren Stolz verloren hat.

Was lässt Liebe gelingen?

Wenn ich das wüsste…Ehrliche Kommunikation, Respekt und Vertrauen sind ein guter Anfang.

Was kannst Du von Maria Callas auf Deinen künstlerischen Weg mitnehmen?

Disziplin, Hingabe, den starken Willen und den Mut zum Risiko.

Was sind Deine kommenden Projektpläne?

Ich habe für das diesjährige Theaterfestival Hin und Weg in Litschau das Stück „Wicked Play“ entwickelt, das wir am 28. November und im Dezember in Wien auf die Bühne bringen. Und es laufen die Planungen für ein längerfristiges Projekt 2024, von dem ich aber noch nicht zu viel verraten möchte…

Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?

Musik –

Anmutig,

Resonierend mit unserem

Innersten.

Aufbauende

Chöre, die Grenzen

Aller

Länder überwindend. Ich

Lausche,

Aufmerksam,

Seelig.

Vielen Dank, liebe Elisabeth, für das Interview und viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

Elisabeth Halikiopoulos, Schauspielerin, Regisseurin, Wien _
acting Maria Callas _
100.Geburtstag Maria Callas, Sängerin  

* 2.Dezember 1923 New York City +16.September 1977 Paris.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

100. Geburtstag Maria Callas _ 2023

Elisabeth Halikiopoulos, Schauspielerin, Regisseurin, Wien _
acting Maria Callas _

Maria Callas, Sängerin  
* 2.Dezember 1923 New York City +16.September 1977 Paris.

Interview&alle Fotos Walter Pobaschnig 11_23

https://literaturoutdoors.com

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