
Es ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die für den 1899 als Sohn eines Sattlermeisters in Dresden geborenen vielseitigen Journalisten Ende der 1920 Jahre in Deutschland beginnt. Der gefeierte Theaterkritiker veröffentlicht 1929 sein erstes Kinder/ Jugendbuch „Emil und die Detektive“, dem „Pünktchen und Anton“ (1931) und „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) als Bestseller der Zeit folgen. Es ist eine Millionenauflage, denen auch eine Verfilmung folgt. Der Gipfel des Erfolges. Alles steht dem studierten Germanisten, Dr.phil., offen und viele Pläne gibt es jetzt. Doch dann…
1933. Jetzt verändert sich alles in Deutschland. Der Nationalsozialismus ergreift die Macht. Der Erfolgsautor wird verhört, seine Bücher werden öffentlich verbrannt. Seine Kollegen:innen emigrieren nach Möglichkeit, suchen Wege dem Terror zu entkommen.
Er bleibt. Schreibt weiter in Pseudonymen. Überlebt.
Sein Name: Erich Kästner.
Tobias Lehmkuhl, renommierter Literaturkritiker und Autor, geht in dem vorliegenden Buch den Wegen eines der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellers in Leben, Werk, Gesellschaft und Politik nach und öffnet in 14.Kapitel viele bisher nicht bekannte Realitäten und Facetten einer Schriftstellerexistenz in herausforderndsten Zeiten.
Das Buch besticht in Recherche, Aufbau, narrativer Zusammenschau wie kritischem Ein- und Ausblick. Es stellt den Menschen, Schriftsteller Erich Kästner an Lebens-, Werksstationen in unbekannten Details vor und lässt diesen interessiert folgen.
In der Zusammenschau geht es in dieser sehr bemerkenswerten Biographie um Grundwerte des Lebens und Kunst im äußersten Spannungsfeld von Leben und Gesellschaft und greift damit weit über ein Leben hinaus.
Der doppelte Erich. Kästner im Dritten Reich. Biographie. Tobias Lehmkuhl. Rowohlt Verlag.
Verlag: Rowohlt Berlin
Erscheinungstermin: 17.10.2023
Lieferstatus: Verfügbar
Gebunden, 304 Seiten
ISBN: 978-3-7371-0150-9
Walter Pobaschnig 10/23
Ich glaube ich lasse mir noch ein wenig Zeit mit dieser Biografie. Für mich gibt es Menschen, die fast unantastbar sind. Erich Kästner gehört dazu. Mal sehen, ob ich irgendwann daran kratzen möchte.
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