„Jene Kreativität freizulassen, die ich lange in mir gefangen hielt“ Bernd Märzendorfer, Schauspieler _ Wien 8.11.2022

Lieber Bernd, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aktuell sind meine Tage eine interessante Suche nach mir selbst. Meine Aufgabe ist es, Erziehung und Glaubenssätze der Vergangenheit abzustreifen, um jene kreative Freiheit wieder zu erlangen, die ich hatte, bevor ich von einer fragwürdig gesunden Gesellschaft in den bedeutungsleeren Raum der Angepasstheit getrieben wurde.

Einfacher ausgedrückt: Ich spüre mich einfach so durch und warte entspannt auf das was kommt.

Bernd Märzendorfer, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Demut und Geduld. Bescheidenheit und minimale Erwartungshaltung.

Als ich nach einer sehr erfolgreichen Karriere dem Ruf meines Herzens gefolgt bin, nur noch das zu machen, was ich wirklich als persönlich bedeutsam erachte, war ich von Mut aber auch einer gewissen Naivität getrieben. Diese Naivität ist aber genau das, was ich dringend brauche, um kein Zyniker zu werden und mich in Angst und Kraftlosigkeit zu verstecken. Naivität und Minimalismus sind für mich der beste Boden, um jene Kreativität freizulassen, die ich lange in mir gefangen hielt.

Mit dieser neuen Kraft kann ich mich gelassen auf alles einlassen was rund um mich herum passiert. Ob mich das mitnimmt, oder es mich als Zuseher nur aus der Ferne bewegt, bleibt meine eigene Entscheidung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das ist nicht vorhersehbar oder lenkbar. Ich glaube auch nicht, dass in dieser Sache Ziele dienlich sind. Die Kunst, der Film, das Theater und alle daran Beteiligten werden wie immer in der Geschichte eine bedeutende Rolle spielen. Wie revolutionär das diesmal sein wird, ist eine Frage, die alleine die Zeit beantworten kann. Sofern so etwas wie Zeit überhaupt eine relevante Größe darstellt.

Was liest Du derzeit?

Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg, Die Wohlgesinnten von Johnathan Littell und aus humoristischen Gründen die Twitter-Diskussionen österreichischer Journalisten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.

A.Camus

Bernd Märzendorfer, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Bernd, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Bernd Märzendorfer, Schauspieler

Fotos_Walter Pobaschnig _ Station bei Oskar Werner _ Wien 10_22

17.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s