„Es braucht Diskussionen über die Zukunft der Literatur“ Martina Caluori, Schriftstellerin _ Chur/CHE 24.4.2022

Liebe Martina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche vor meinen zwei Kindern aufzustehen, um in Ruhe den ersten Kaffee zu trinken und Musik zu hören. Danach lese ich vor, spiele mit ihnen drinnen und draußen, vorzugsweise am Wasser oder im Wald. Tagsüber – und nachts, wenn ich aufwache – notiere ich mir Momente und Gedanken. So versuche ich die Momente und Gedanken einzufangen, die ich anschließend beim Schreiben verdichte, sodass ihre Flüchtigkeit für einen Moment stillsteht.

Martina Caluori, Schriftstellerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Unsere Aufmerksamkeit und Ängste nicht nur auf einen Punkt, auf ein Ereignis, zu konzentrieren. Es ist wichtig, dass die anderen Menschheitskrisen nicht an den Rand unserer Wahrnehmung gedrängt werden. Und, dass wir – egal wie eingebunden und eingeschränkt wir sind – uns unserer Gedankenfreiheit bewusst sind; es geht darum, im Kopf neue Fenster zu öffnen, um etwas neu, anders oder frisch zu denken.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Vielleicht ist es auch ein Umbruch, eine Transformation. Ich glaube, dass die Sehnsucht nach Kunst und Kultur gewachsen ist. Die Rolle, Wichtig- und Dringlichkeit von Literatur, der Kunst an sich wird bleiben. Denn in keiner anderen Kunstform wird Erinnerung über und durch Jahrhunderte hinweg so vermittelt wie in der Literatur. Es braucht aber Diskussionen über die Zukunft der Literatur, Kunst an sich, ihre Entwicklungsmöglichkeiten und ihr Selbstverständnis sowie auch über Werte.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher parallel, aktuell sind es „Im Zimmer ist Winter“ von Natascha Berlehner, „Null“ von Gine Cornelia Pedersen und „Taubenleben“ von Paulina Czienskowski.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Natürlich mein Prosadebüt “Weisswein zum Frühstück“ mit Zeichnungen von Simone Züger, erscheint am 25. April.

Und wer hier lieber ein Zitat lesen will: „Every moment happens twice: inside and outside, and they are two different histories.“ – Zadie Smith

Vielen Dank für das Interview liebe Martina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Martina Caluori, Schriftstellerin 

Buchneuerscheinung: “Weisswein zum Frühstück“ Martina Caluori, mit Zeichnungen von Simone Züger. Verlag_lectorbooks

martinacaluori.com

Foto_Michel Gilgen.

18.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s