„Literatur hat eine Vorreiterrolle“ Peter Reutterer, Schriftsteller_ Salzburg 1.3.2021

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe das Glück, seit 1.März 2020 freitätig zu sein. Sonst hätte ich die Beschwernisse eines Gymnasiallehrers in der Krise auf mich nehmen müssen. So bin ich kurz vor dem 1.Lockdown gänzlich zur Schriftstellerei (die ich zuvor neben der Arbeit als Lehrer und Kulturvermittler betrieben habe) übergewechselt und genieße jetzt vor allem die Vormittage am Schreibtisch. Nachmittags mache ich zumeist eine Schreibpause mit einem schönen Spaziergang am Plainberg. Gegen Abend dann entweder Kommunikatives (je nach Möglichkeit der Beschränkungen medial oder direkt), Lesen oder Film. Zwischendurch übe oder spiele ich auf der Jazzgitarre. Ab und zu bewerbe ich auch meinen neuen Lyrikband „Langsame Einkehr“ (Bibliothek der Provinz 2020), der krisenbedingt erst ein einziges Mal präsentiert wurde.

Peter Reutterer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die meisten wissen, dass persönlich ein strukturierter Alltag mit Bewegung wichtig ist. Wenn man einmal niemand treffen kann, sollte man die anderen Kommunikationskanäle nicht vergessen. Solidarität darf nicht zu bröckeln beginnen. Keinesfalls sollten Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden. Für Schriftsteller und andere Künstler ist es sehr bedeutsam, mit Geduld und Mut weiter schöpferisch tätig sein, einander zu ermutigen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literarisches Schreiben ist für mich eine Forschung an der Wirklichkeit. Deshalb hat für mich Literatur immer eine Vorreiterrolle, wenn es darum geht, Wirkliches zu erfahren und zu erkennen. Im Gegensatz zu politischen Statements geben Literaten zu, etwas nicht zu wissen. Das hat mich schon vor 30 Jahren an Peter Handke fasziniert. Durch die Redlichkeit des Literarischen werden Zukunftsvisionen möglich. Ästhetische Strukturen verleihen Texten eine spezielle existenzielle Tiefe, die nur Künstlerisches vermitteln kann. Somit wird Kunst immer auch zur Spenderin von Hoffnung (sogar, wenn sie inhaltlich anderes aussagen sollte). Natürlich ist ökonomisch wie politisch der Maximierungswahn zu beenden.

Was liest Du derzeit?

Nach der Entdeckung bemerkenswerter österreichischer Literatur in den letzten Monaten 2020 (B. Steinwendtner, H. Adler, H. Kröpfl, P.S. Altmann u.a.) halte ich derzeit dankbar ein neues Buch von Haruki Murakami in Händen: „Erste Person Singular“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In eigener Sache aus „Langsame Einkehr“: Das Leben ist erstens ein Geheimnis und zweitens sind wir eingebunden.

Als zweites Zitat auch etwas Hoffnung-Spendendes: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. (Friedrich Nietzsche)

Vielen Dank für das Interview lieber Peter viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Reutterer, Schriftsteller

Peter Reutterer – Startseite (peter-reutterer.at)

Foto_privat

4.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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