„Wir brauchen die Kunst, um Krisen zu überwinden“ Margot Mayrhofer, Schauspielerin _ Brixen _ 5.12.2020

Liebe Margot, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Im Gegensatz zum letzten Lockdown, in dem ich mir meine Tagesstruktur selbst zusammenbasteln musste, ergibt sich diesmal alles von selbst: Gegen 8Uhr stehe ich auf, es gibt Frühstück, die homeschooling-Kinder trotten zum Laptop während ich noch einen Kaffee trinke, oder zwei. Die Jüngere braucht noch Hilfe, also betreue ich sie vormittags bei den Schulaufgaben.

Nachmittags bekomme endlich ich den Computer, ich muss ein paar Online-Projekte vorbereiten, Kunst findet ja neuerdings ausschliesslich in Web statt…es fällt mir schwer, mich daran zu gewöhnen, aber ich bin froh, arbeiten zu können. Irgendwann verlasse ich mit rauchendem Kopf die Wohnung, gehe mit dem Hund am Fluss spazieren. Das Wetter in Südtirol ist zur Zeit herrlich, das Gehen ordnet die Gedanken. Ab und zu treffe ich zufällig Bekannte oder Freunde, die man bewusst zur Zeit ja garnicht treffen darf. Social distancing. Wir reden solange, bis ich merke, dass der Hund nicht mehr an meiner Seite ist, das passiert mir oft. Ich denke, er macht das absichtlich, damit ich mich länger draussen aufhalte… ich bin dann nämlich viel besser drauf. Kluges Tier.

Am frühen Abend zünden wir Holz im Kamin an, und setzen uns davor, um dem Feuer zuzusehen. Das beruhigt total. Überhaupt geniesse ich es zur Zeit extrem, die Abende frei zu haben. In einem Schauspieler-Haushalt kommt sowas nicht so oft vor. Schöne Familienzeit eigentlich.

Überhaupt erlebe ich mich in diesem Lockdown viel gelassener als im letzten. Ich schaue viel ins „Narrenkastl“, herrlich. Im Frühjahr war meine innere Unruhe riesig, meine Energie allerdings winzig. Der Stress groß, die Effizienz gen Null.  „Die Krise als Chance zur kreativen Entfaltung!!“- Bei mir hat sich da garnix entfaltet.

Margot Mayrhofer, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Miteinander. Offenheit. Hinter jeder Maske ist ein Mensch mit einer Geschichte.

Vor einem Aufbruch und einem Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, Film, der Kunst an sich zu?

Kunst und Kultur spiegeln die Gesellschaft wieder, helfen uns dabei, zu reflektieren und unseren Platz zu finden. Wir brauchen die Kunst, um Krisen zu überwinden. Kunst ist Soulfood. Kunst ist lebensrelevant.

Was liest du derzeit?

Vea Kaiser, Makarionissi

Theaterspielpläne – in Vorfreude auf das, was kommt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Menschen samma olle

Blinde Henderl, oame Haserln

Und aus unsere Achselhöhlen

Riachts wia aus oide Gurknglasln.

(Josef Hader)

Vielen Dank für das Interview liebe Margot, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Der Dank ist ganz meinerseits!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Margot Mayrhofer, Schauspielerin

Foto_Mirja Kofler

26.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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