„Und andere Formen menschlichen Versagens“ Lennardt Loß. Roman. Neuerscheinung weissbooks.

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„Und andere Formen menschlichen Versagens“ Lennardt Loß. Roman. Neuerscheinung weissbooks.

Es ist gestundete Zeit, die Hannes Sohr noch bleibt. Eine Patrone steckt seit 17 Jahren zwischen Magen und Milz fest. Und sie wandert weiter, kontinuierlich. Und jetzt sitzt Sohr im Flugzeug nach Buenos Aires, fort von dunkler Vergangenheit in Terrorismus und Gewalt. Und der Hoffnung auf neues, oder zumindest etwas Leben. Und damit ist er nicht alleine hier. Jetzt, als es abrupt nach unten in den Pazifik geht…

Treibend im Meer, ist Marina neben Sohr. Überlebend zwischen den Toten. Einer von diesen  ist Aco, der als Filialleiter zwischen den täglichen Kontrollgängen am Mineralwasserregal von Zweisamkeit träumte. Prickelnd oder still. Er fand es mit Carla und Zwillingen im Bungalow. Doch Marina war weiterhin in seinen Gedanken und denen flog er hinterher…

Es sind Lebensläufe zwischen gesellschaftlichem und privatem Leergut in nicht enden wollenden alltäglichen Marathondistanzen zwischen Traum und Wirklichkeit, die jetzt endgültig vom Himmel stürzten – zwischen nie gewesenem Leben und einem Bleistift aus kalifornischem Zedernholz um 179,99 Dollar…

Lennardt Loß, Bachmannpreisteilnehmer 2018, legt mit seinem ersten Roman ein erzählerisch gekonnt verwobenes Drama vor, das Leserin und Leser in einer Hochschaubahn von Sprache und Phantasie auf 155 Seiten mitreißt. Es ist eine Aufmerksamkeit für Lebenslabyrinthe, die mit dem Instrumentarium Sprache das postmoderne roadmovie individueller Biographiebrüche einzigartig starten, fliegen und tragisch-komisch zerschellen lässt.

Der Autor fokussiert in direkter phantasievoller Spannungskonstruktion besondere Lebenssituationen, in denen sich alles auf den Kopf stellt und das Spiegelbild des Lebenslaufes im skurrilen Rundumblick zerschellt. In diesen Momenten von Drama und Komödie geht es aber ebenso um den Moment der Erkenntnis. Um Aufklärung und Hoffnung. Wir fallen immer aus den Wolken. Und vielleicht bleibt danach noch Zeit – zum Leben. Wenn schon nicht davor.

 

Walter Pobaschnig, Wien 3_2019

https://literaturoutdoors.com

 

 

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