„Lou Andreas_Salome Bild im Umriss“ Eine Lektüre. Gisela Brinker-Gabler. Neuerscheinung Königshausen&Neumann Verlag.

Cover_Lou Andreas-Salome

 

„Lou Andreas_Salome Bild im Umriss“ Eine Lektüre. Gisela Brinker-Gabler. Neuerscheinung Königshausen&Neumann Verlag.

Es ist eine Familiengeschichte, die in den Wirren des Krieges und der Neuordnung Europas zu Beginn des 19.Jahrhunderts von Südfrankreich nach St.Petersburg führt. Strenger evangelischer Glaube hugenottischer Tradition ist dabei eine tragende verbindende Mitte ihres Lebens fern der Herkunft. Der Sohn, Gustav Ludwig Salome, macht beim Militär Karriere und wird vom Zaren in den Adelsstand erhoben. Widerspruchsgeist, Konsequenz und Intellektualität zeichnen ihn aus. Seine Tochter Louise erbt diese Persönlichkeitseigenschaften. Schon mit sechszehn Jahren weigert sie sich vom reformierten Pfarrer vor Ort konfirmiert zu werden. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken zu Kirche, Welt und Leben. Und diese wird sie bald im Kreise und mit Philosophen, Dichtern und Psychoanalytikern teilen. Nietzsche, Rilke und Freud werden zu ihren Lehrern wie Gesprächspartnern und auch hier ist ihr eine selbstbewusste Intellektualität und Weiblichkeit wichtig. Konsequent geht sie ihren Weg, schreibt ihre Reflexionen auf und tritt in kontroverse Diskussionen ein, sucht „Bildern“ und „Umrissen“ von Kultur und Gesellschaft nahezukommen. Kein leichter Weg, doch Lou geht diesen mutig und authentisch…

Gisela Brinker-Gabler, Professorin für Komparatistik (vergleichende Literaturwissenschaft) an der State University of New York, Binghamton, USA, legt mit dem vorliegendem Essayband zu modernen philosophischen, psychoanalytischen und ästhetischen Reflexionen einer der interessantesten  DenkerInnen des beginnenden 20.Jahrhunderts eine perspektivenreiche Annäherung vor, die spannende wie weiterführende Zugänge öffnet. Zentrale Begrifflichkeit kommt in dieser Studie dem „Bilden“ zu, also der Bedeutung von Bildkraft, –wirkung wie auch Gestaltung. Zentral ist dabei eine „Wechselwirkung“ von Bild und Reflexion, also Rationalität, die sich als Prozess im „Umriss“ objektiviert. Das Denken ist dabei im Anspruch einer intellektuellen wie lebensgeschichtlichen Aufmerksamkeit gefordert. Persönlichkeit und Welt finden sich in Differenz und Diversität wieder und müssen dies anerkennen und leisten.

„Eine Annäherung an beeindruckend selbstbewusstes Denken und Handeln einer außergewöhnlichen Frau – Lou Andreas-Salome.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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