„Bilder und Sätze, die für immer im Gedächtnis haften bleiben“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin _ Bonn 8.4.2026

Ingeborg Bachmann _ Lisa Sommerfeldt

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin

Liebe Lisa, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Natürlich bin ich ihr bereits in der Schule im Deutschunterricht begegnet. Aber später habe ich auch allein „Malina“ und die Gedichte gelesen. 

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Sie erschafft Bilder und Sätze, die für immer im Gedächtnis haften bleiben. Immer, wenn ich den Sternenhimmel sehe, muss ich an „Anrufung des großen Bären“ denken.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Besonders nachhaltig beindruckt hat mich das Märchen in „Malina“.

Und das Gedicht „Die gestundete Zeit“: Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,/er steigt um ihr wehendes Haar,/er fällt ihr ins Wort,/er befiehlt ihr zu schweigen,/er findet sie sterblich/und willig dem Abschied/nach jeder Umarmung.“

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie war Kind ihrer Zeit, sie hat vieles gesehen und hatte aber auch vieles internalisiert – und wir sind heute etwas weiter in der gesellschaftlichen Entwicklung, aber leider nicht viel weiter.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Nein, das Schreiben ist eine Überlebensform. Es kann qualvoll sein, es ist aber immer tröstlich.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Es geht niemanden was an, wie autobiographisch Deine Texte sind.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Im März des Jahres ist mein Debutroman „schlaglichter“ erschienen Lisa Sommerfeldt: schlaglichter | parasitenpresse, in dem ich auch mit einem Zitat von Ingeborg Bachmann spiele.

Im Mai geht mein neues Auftragshörspiel für den WDR on air. Und ganz aktuell schreibe ich ein Stück für das Staatstheater Karlsruhe.

Herzlichen Dank für das Interview!

Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Lisa Sommerfeldt _ Janine Guldener.

Walter Pobaschnig, 23.3.2026

https://literaturoutdoors.com

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