„ihr begnadetes Können, ihre Klugheit, ihr gesamtes Charisma“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Anna Friedwagner – Celenca, Schriftstellerin _ Zell am See/Sbg. 30.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Anna Friedwagner

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca de Leone, Rom um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Anna Friedwagner – Celenca, Schriftstellerin

Liebe Anna, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mich zum Beispiel, berührt die Stimme Ingeborg Bachmanns auf eine ganz besondere Art und Weise. Dies zu benennen, dieses subtile Gefühl, welches das Vortragen ihrer Werke, ihr Klang der Sprache, in meinem Herzen auslöst, lässt sich für mich am Besten so beschreiben: Die „Tiefe“ jedes Einzelnen ihrer gesprochenen Worte klingt lange in mir nach, beschäftigt mich zutiefst, macht mich sehr nachdenklich und lässt mich gleichzeitig ganz still werden. Es ist ihre Seele, die mich berührt, der Ausdruck in ihren Gedichten, so leicht und frei, ohne Anstrengung, aber dennoch selbstverständlich ihr begnadetes Können, ihre Klugheit, ihr gesamtes Charisma.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Die Intensität ihrer Sprache, Ihr Auflehnen gegen jegliche Form der Gewalt und Unterdrückung. Die Fragen nach dem „wer bin ich“, was bedeutet das Leben als Solches, was ist die Liebe in ihrer Ganzheit und in ihrer Zerrissenheit. Eine unerschöpfliche Thematik, damals und gerade auch jetzt

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ganz besonders tief berühren mich ihre Gedichte, denen ich zum Glück schon in meiner Kindheit begegnen durfte.

So viele einzelne Passagen daraus. Ihre Botschaften machen mich immer wieder aufs Neue atemlos und aus tiefstem Herzen dankbar, beinahe fassungslos, ob deren Kraft, Mut und Stärke. Dankbar, ihren Spirit darin fühlen zu dürfen, der ganz lange in mir weiterwirkt, ich wage vorsichtig zu sagen, mich „verbindet“, von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch, von Frau zu Frau.

Besonders hervorheben darf ich an dieser Stelle:

Nebelland

An die Sonne

„Ich“

Die gestundete Zeit

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich denke schon etliche Zeit über einen Satz nach:

„ich schreibe niemals gegen Männer, ich schreibe gegen eine Gewalt, die Nähe schwächt und Zärtlichkeit ins Lächerliche zieht. „

Ein Credo welches niemals enden darf. Ein Ruf gegen die Brutalitäten der Welt.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Auf jeden Fall, zumindest für mich ganz persönlich.  Schreiben darf und kann einem selbst weh tun. Einmal noch, und noch einmal, und nocheinmal. Vielleicht auch , oder gerade deshalb, um das Leben manchesmal zu ertragen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Das ist eine unglaublich wundervolle und bedeutsame Frage für mich, dessen Beantwortung in mir ein zutiefst starkes Gefühl von Ehrfurcht hervorbringt. Oder vielleicht zeigt mir diese Frage am Ende meine eigenen, tiefsten Wunden auf? 

Nun, vielleicht würde ich sie fragen, ob Schreiben Erlösung sein kann, für einen selbst, mag sein auch für so manch Andere?

Vielleicht würde ich sie auch fragen, wie sehr das Brennen in der Brust lodern kann, um aufzuschreiben, was so traurig macht und ernst? Vielleicht wäre ihre Antwort auch nur ein Nicken, ein leiser Blick, ein Verstehen, das gar keiner Worte bedarf.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Meine Pläne wären, endlich meine losen, unzähligen Seiten und Gedanken zu binden (zumindest in meinem Herzen)

Herzlichen Dank für das Interview!

Anna Friedwagner – Celenca, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze.

Fotos: Anna Friedwagner – Celenca: privat.

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

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