„Schmerz und Leidenschaft“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Patricia Brooks, Schriftstellerin _ Wien 28.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Patricia Brooks 

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Patricia Brooks  _ Schriftstellerin _ Wien

Liebe Patricia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe großen Respekt vor Bachmanns literarischem Werk, es ist ein Meilenstein in der weiblichen/feministischen österreichischen Nachkriegsliteratur.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre messerscharfe Analyse politischer und gesellschaftlicher Strukturen, ihre klare, präzise Sprache, in der immer ein Schmerz mitschwingt und eine Leidenschaft glüht.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich schätze ihr Gesamtwerk, auch wenn ich nicht zu allen Texten einen Zugang finde. Im Band „Das dreißigste Jahr“ hat mich zum Beispiel „Undine“ als erste feministische Interpretation dieses Sagenstoffes beeindruckt. Sehr schön finde ich auch die Tonaufnahmen, auf denen sie selbst ihre Gedichte liest.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Brandaktuell. Schauen wir uns die politische und gesellschaftliche Lage der Welt 2026 an, beantwortet sich die Frage von selbst: Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, in Afrika, despotische Präsidenten, größenwahnsinnige Tech-Bros, weltweite Femizide, Gender-Pay-Gap, etc.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, , verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Das sehe ich für mich persönlich nicht so. Aber für manche Künstlerinnen und Künstler ist es vermutlich so. Ich denke, wie man mit den Schwierigkeiten im Schaffensprozess umgeht ist von Person zu Person verschieden und abhängig auch von Faktoren wie Lebenssituation, finanzieller Lage, etc.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Schön und wichtig, dass es ihr umfassendes Werk gibt.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich schreibe an einem neuen Roman.

Ich plane einen weiteren Lyrikband.

Ich bereite die Jubiläumsausgabe „Radio rosa 20“ vor – ein von mir vor 20 Jahren initiiertes Performance-Projekt – mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, die in diesen Jahren an den verschiedenen Folgen teilgenommen haben.

Herzlichen Dank für das Interview!

Patricia Brooks, Schriftstellerin

Aktueller Gedichtband von Patricia Brooks: „Luna Park“ Gedichte. edition fabrik.transit, 2024

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Patrica Brooks _ Station bei Undine _ Walter Pobaschnig 9/25

Walter Pobaschnig   10.3.2026

https://literaturoutdoors.com

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