„Je lauter die Welt da draußen ist, umso achtsamer werde ich“ Petra Mickl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 10.3.2026

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Am Anfang des Tages ertönen mindestens zwei Worte aus meinem Mund, gefolgt vom Rendezvous mit meiner Kaffeemaschine. Dann schreibe ich gute Nachrichten an mir wichtige Personen. Ich genieße die Ruhe am Morgen, da mich die Informationsflut, die ein Tag mitunter bereithält, manchmal geistig ertränkt. Sorgen mache ich mir diesbezüglich um junge Menschen, die meist nicht mehr so unbeschwert aufwachsen können.

Je lauter die Welt da draußen ist, umso achtsamer werde ich.

Angenehme Tagesabläufe schenken mir Kraft. Junge Menschen haben noch das größere Entwicklungspotential, daher ist es schön mit ihnen arbeiten zu dürfen, auch wenn es manchmal sehr herausfordernd ist.

Derzeit fehlt mir die Kreativität zum kontinuierlichen Schreiben, aber ich weiß, dass sie wieder kommt und darauf freue ich mich.

Abends genieße ich es wieder, wenn ich einen ruhigen Tagesausklang habe, ganz nach dem Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“. Ich bin für vieles dankbar.

Petra Mickl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwierig zu sagen, was für uns alle wichtig ist, weil die Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Aber ein Grundrespekt sollte immer gegeben sein und ein wertschätzender Umgang miteinander.

Ebenso ein reflektierter Umgang mit sich und anderen Menschen, mehr Weisheit und Ressourcenschonung sowie den Blick auf das Gute nicht aus den Augen zu verlieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich bin ein Kind der 70er. Es hat immer gesellschaftliche Herausforderungen gegeben, aber nicht in dieser Kontinuität. In unserer schnelllebigen Zeit läuft scheinbar einiges aus dem Ruder. Es gibt keine Stopptaste für die vielen Widersprüchlichkeiten, Dummheiten und Abgründe. Daher versuche ich in meinem persönlichen Umfeld Gutes zu bewirken und den Glauben nicht zu verlieren.

Die Sinne zu schärfen, die Antennen auszufahren und der emotionalen Intelligenz den Vortritt zu lassen, kann sicher nicht schaden. Die Literatur und Kunst bieten uns einerseits einen Unterschlupf und andererseits schärfen sie das Bewusstsein. Sie helfen zu erkennen, zu reflektieren und die Geschehnisse einzuordnen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese derzeit die Anthologie Texte 6 „vorwerfen nachwerfen“ herausgegeben von Gernot Ragger. Mir gefällt, dass 22 Autoren/SchriftstellerInnen so unterschiedliche Zugänge zu einem vorgegebenen Thema haben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Sprache der Poesie klingt anders als die Sprache der Ungeduld“.

„Schön wäre es, wenn schlimme Nachrichten mit dem Winter verschwinden würden. Wie ein Schneemann, der dahinschmilzt, weil seine Zeit vorüber ist“.

Vielen Dank für das Interview, liebe Petra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Petra Mickl, Schriftstellerin

Zur Person/über mich: Petra Mickl, geboren 1970 in Klagenfurt. Handelsschule, Matura an der Handelsakademie für Berufstätige, zum damaligen Zeitpunkt habe ich im Büro als Sekretärin gearbeitet. Ausbildung zur Sozialpädagogin. Abgeschlossenes Studium der Pädagogik sowie Grundlagen der Psychologie. Langjährige Tätigkeit im sozialen Bereich als Trainerin für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diplomierte Mentaltrainerin.

Tätigkeit im pädagogischen Bereich mit Kindern bzw. Jugendlichen im Alter von ca. 10-14 Jahren als Sozial- bzw. Freizeitpädagogin.

Ich schreibe seit ca. 8 Jahren nebenberuflich.

Meine Werke: Die Farben des Lebens (2019), Mein Date mit der Zeit (2023) und Lichtallee (2024). Alle Bücher sind in „der wolf verlag“ erschienen. Ebenso bin ich in diversen Anthologien vertreten.

Foto: privat

11.2.2026_Interview_Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com

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