„Schreiben als existenzielles Risiko: notwendig und schmerzhaft“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin _ Wien 4.3.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _

Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin

Liebe Lisa, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Mein Zugang ist ein existenzieller und politischer zugleich: Bachmanns Texte lese ich als schonungslose Analysen innerer wie gesellschaftlicher Gewalt.

Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin _ acting „Malina“ _
Romanschauplatz Malina _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26, folgende

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Die Verbindung von poetischer Sprache mit philosophischer Schärfe und moralischem Ernst macht ihr Schreiben einzigartig.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Besonders Malina, die Todesarten-Texte und die Gedichte der Anrufung des Großen Bären stehen für die Radikalität ihres Denkens.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ihre Kritik an patriarchalen Machtstrukturen ist erschreckend aktuell, weil sie psychische, sprachliche und politische Gewalt zusammendenkt.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Lieben heißt bei Bachmann, sich der Gewaltverhältnisse bewusst zu werden, die Beziehungen durchziehen – ohne die Hoffnung auf ein anderes, wahrhaftiges Lieben ganz aufzugeben.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Für Bachmann ist Schreiben ein existenzielles Risiko: notwendig, aber schmerzhaft, weil es Wahrheit gegen Selbstschutz stellt.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Neben der Gesellschaftskritik ist mir ihr Sprachdenken wichtig – die Frage, wie Sprache Wahrheit ermöglichen oder zerstören kann.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie gefragt, ob sie trotz allem an eine Zukunft der Sprache geglaubt hat, die weniger zerstörerisch ist.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

„Im Schatten der Maulwurfshügel“ von Friedrich Ch. Zauner wird bei den Rainbacher Festspielen unter der Regie von Babett Arens aufgeführt.

Ich darf die junge Theres verkörpern, die weibliche Hauptrolle des Stücks. Die Proben beginnen im Mai, Premiere ist am 18. Juni, gespielt wird bis einschließlich 5. Juli.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin _ acting „Malina“ _
Romanschauplatz Malina _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26
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Herzlichen Dank für das Interview!

Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos: Lisa Carolin Nemec, Schauspielerin _ acting „Malina“ _
Romanschauplatz Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26
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Walter Pobaschnig, 22.2.26

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